Presseinformation 2 XV. Wachauer Journalistentage

Mück: Information als Ware - Moralische Dämme brechen

Dürnstein (OTS) - "Weil Information weitum nur als Ware und nicht als gesellschaftliches Stammkapital gesehen wird, weil Medien-Mogule in Medienkonzernen primär Ertragsmodelle sehen, brechen die moralischen Dämme", so Prof. Werner Mück, Präsident des Friedrich Funder Instituts (FFI) für Publizistik, Medienforschung und Journalistenausbildung anlässlich der gestrigen Eröffnung der XV. Wachauer Journalistentage.

Mück ging darauf ein, dass "uns Journalisten die Frage nach der journalistischen Freiheit seit jeher begleitet." Für allzu viele werden diese Grenzen ausschließlich durch das Strafgesetzbuch definiert. Doch es gebe unzweifelhaft die Grenzen des Anstands und der Ethik. Obwohl es schwer sei, sie zu definieren, sei es leicht, sie zu erkennen oder besser gesagt zu erfühlen, betonte Mück. Auch gut ausgebildete Journalisten fänden sich rasch in einer Welt der wirtschaftlichen und politischen Zwänge. Selbstverständlich gebe es noch Freiräume, "bloß dort, wo die Auflage, die Quote, die Werbeerlöse sinken, dort werden die Freiräume eng." Ein zentrales Problem sei, so Mück, dass "viele, all zu viele Journalisten längst von den Rängen der Beobachter und Berichterstatter in den Ring der Akteure und Protagonisten gestiegen sind. Die Folgen sind fatal, die Leserschaft, das Publikum wird nicht in seiner freien Meinungsbildung gefördert, sondern irregeführt und entmündigt."

Michael Fleischhacker, Chefredakteur der Presse, thematisierte in seinem Eröffnungsreferat "Gekauft, erpresst und abgesprochen. Ein Plädoyer für einen unabhängigen Journalismus" die "zwei Arten der klassischen Bedrohungen der Pressefreiheit: die innere und äußere Bedrohung", wobei die äußere Bedrohung eher die politische Repression sei, die innere eher ökonomischer Natur sei. Dazu komme es vor allem dann sehr schnell, wenn sich Verleger zu sehr als Unternehmer sehen. Andererseits seien Zeitungen in erster Linie Medienunternehmen, "daher seien ökonomische Bedingungen eben auch Voraussetzung für freien Journalismus. Das ist ein Spannungsfeld". Letztendlich aber gehe es nicht um die Frage, ob die Zeitungen noch unabhängig sind, sondern "ob Politiker unabhängig genug sind, Politik zu machen, ohne sich einer Zeitung zu unterwerfen", so Fleischhacker.

Gerade in Österreich müsse man in Zusammenhang mit unabhängigem Journalismus über zwei Fragen reden: den ORF und die Frage der Verknüpfung der Berichterstattung mit Inseraten vor allem landesnaher Unternehmungen. Fleischhacker stellte fest, dass dazu in jedem Verlag Diskussionen zwischen journalistisch und ökonomisch Verantwortlichen stattfinden und sehr schnell eine Pattsituation entstehe. Darüber hinaus seien die klassischen Anzeigenumsätze zurückgegangen, zu Gunsten der Sonderwerbeformen. "Hier stoßen wir aber langsam an Grenzen, wo man journalistisch Dinge nicht mehr rechtfertigen kann" so Fleischhacker. Abschließend betonte der Chefredakteur, dass "der wichtigste Teil der ORF ist, wenn wir von journalistischer Unabhängigkeit reden" und verwies dabei auf die Kontrolle und Beschickung des Stiftungsrates, die er für inakzeptabel hält.

Der Mediensprecher der ÖVP, Abg. zum NR Franz Morak, brachte in seinem Referat "Politik und Medien -sie brauchen einander, missbrauchen sie einander?" zunächst einen kurzen Überblick über die medienpolitischen Reformen und Entwicklungen der letzten Jahre sieben bis acht Jahre - Stichwort ORF-Reform, neue Presseförderung, Einführung von Privat TV, Neugestaltung des Privatradiogesetzes, Digitalisierung und die Einrichtung der KommAustria. Offen seien noch die Umsetzung der geplanten Medienförderung, die Abschaffung der Werbesteuer und letztendlich die Schaffung einer unabhängigen, weisungsfreien Regulierungsbehörde. Auf die oben genannte Kritik von Fleischhacker betonte Morak, dass die Konstruktion einer Stiftung bei der ORF Reform bewusst gewählt wurde, um den ORF "in seinem Bestand zu sichern und ein Signal gegen eine Zerstückelung und Filetierung des ORF zu setzen". Damit sollte auch der Mehrwert öffentlich-rechtlichen Programms für die Bevölkerung klar zum Ausdruck gebracht werden.

Passend zum Thema zitierte Morak Josef Cap, der im August auf die Frage an alle Mediensprecher, ob die Politik genügend Distanz zu mächtigen Medien zeige, mit "momentan ja" antwortete. Morak sprach allerdings im Gegensatz dazu von einer "noch nie da gewesenen Glorifizierung eines Kandidaten", die auf den Leserbrief von Faymann und Gusenbauer in der Krone folgte. Doppelseiten an Sonntagen, Gedichte, Leserbriefe, Kolumnen bis hin "zur großen, alles bewegenden Frage", wen würden Tiere wählen? - all dieser journalistische Karneval sei mit tendenziösen bis untergriffigen Artikeln über den VP-Kandidaten einhergegangen, so Morak. Gerade in so einer Situation käme dem ORF eine besondere Rolle zu. "Österreich", "Heute" und "Krone" sind eine Marktmacht, die zwei Drittel der österreichischen Wahlberechtigten abdeckt. "Das einzige Korrektiv in annähernd dieser Größenordnung ist der ORF mit seinen Nachrichten, Magazinsendungen und Journalen", unterstrich Morak abschließend, der die nicht ausreichende Positionierung des ORF in dieser Frage kritisierte und dem ORF vorwarf, zwei Drittel der Wahlberechtigten "mit dem Boulevard" alleine gelassen zu haben.

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