Pharmig: Wem nützt Aut idem?

Huber: Konstruktive Vorschläge statt alter Hüte

Wien (OTS) - Die Apothekerkammer hat im Rahmen einer
Pressekonferenz heute Morgen (02.10.08) ihre Forderungen an die zukünftige Regierung der Öffentlichkeit präsentiert. Neben einer verbesserten Arzneimittelversorgung am Land durch Apotheken, dem Arzneimittel-Sicherheitsgurt und einer verstärkten Einbindung in Präventionsprojekte fordert Apothekenkammer-Präsident Heinrich Burggasser eine Aut idem-Regelung für Österreich.

Noch hat sich keine neue Regierung gebildet, schon formulieren einzelne Partner im Gesundheitswesen ihre Wünsche für die nächste Gesundheitsreform. Die letzte ist ja bekanntlich fulminant gescheitert. Bereits damals war Aut idem Teil der Diskussion. "Ich kann nicht glauben, dass die Apothekerkammer erneut eine Aut idem-Regelung fordert, nachdem sich schon beim letzten Mal ein Konsens bei allen anderen Partnern im Gesundheitswesen zur Unsinnigkeit dieser Maßnahme gebildet hat. Auch gesellschaftspolitisch war Aut idem nicht tragbar", kommentiert Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber.

Ökonomisch sinnlos: Unrealistisches Einsparungspotenzial

Zudem habe sich gezeigt, dass eine Aut idem-Regelung auch aus ökonomischer Sicht nicht sinnvoll ist. "Ich halte das Einsparungspotenzial der ÖBIG-Studie von 56 Millionen Euro, auf das die Apothekerkammer immer wieder verweist, für schlichtweg unrealistisch", so Huber. Gleiches gilt für die finanzielle Erwartungshaltung der Apotheker durch die Einführung des Arzneimittel-Sicherheitsgurts. Der Generikaanteil, der sich durch Aut idem erhöhen soll, ist in Österreich schon heute deutlich im Steigen. Im gesamten Apothekenmarkt liegt der Packungsanteil der Generika und der gleichpreisigen Erstanbieter bei über 40 Prozent.

Medizinisch absurd: Verunsicherung der Patienten

Huber hält die Aut idem-Regelung auch aus medizinischer Sicht für bedenklich: "Insbesondere für alte Menschen, die seit Jahren ein und dasselbe Medikament nehmen, wird die Aut idem-Regelung, wenn sie bei ihrem gewohnten Präparat bleiben wollen, entweder Zuzahlungen oder eine krasse Umstellung in Darreichungsform und Optik bedeuten. Das kann leicht zu Verwirrungen führen und verschlechtert die Therapietreue/ Compliance", befürchtet Huber. Auch müsse die Verantwortung für die Medikation beim Arzt verbleiben, denn er ist für den Patienten die Vertrauensperson und kennt die gesamte Krankheitsgeschichte am besten."

"Praktische Gründe" für Aut idem?

Huber vermutet hinter dem Engagement der Apotheker für Aut idem eher "praktische" Gründe: "Durch Aut idem lassen sich wunderbar Lagerkosten minimieren, da nicht mehr alle Medikamente vorrätig sein müssen. So kann abgegeben werden, was gerade verfügbar ist." Laut Burggasser lagern derzeit in seiner eigenen Apotheke Arzneien im Wert von 250.000 Euro. Durch Aut idem ließe sich dieses kostspielige Sortiment sicherlich reduzieren.

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