Wien: Vatikan besorgt über Aufweichung der Atomtechnik-Weitergabe

Vatikanischer "Außenminister" Erzbischof Mamberti sprach bei Jahresversammlung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im Wiener Austria Centre - Sorge über die jüngst erfolgte Aufweichung des "Non Proliferation Treaty"

Wien-Vatikanstadt, 2.10.08 (KAP) Der Vatikan hat sich in einem Statement am Wiener UN-Sitz besorgt über die jüngst erfolgte Aufweichung des "Non Proliferation Treaty" (NPT; Vertrag zur Nichtweitergabe von Nuklearmaterial für Atomwaffen) geäußert. "Nachdem der NPT augenblicklich das einzige multilaterale Rechtsinstrument ist, das auf die Schaffung einer atomwaffenfreien Welt abzielt, darf seine Schwächung nicht zugelassen werden", so der vatikanische "Außenminister", Erzbischof Dominique Mamberti. Der Kurienerzbischof sprach bei der Jahresversammlung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im Wiener Austria Centre. Die Jahresversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium der UNO-Behörde. Insgesamt 145 Mitgliedsstaaten nehmen daran teil. Die Delegationen tagen noch bis Freitag in Wien.

Hintergrund der Vatikan-Kritik ist nach Meinung von Beobachtern die vor kurzem auf Druck der USA von der "Nuclear Suppliers Group" (NSG) beschlossene Öffnung der Lieferung von Atomkraftwerken, Kernbrennstoff und weiterer Nukleartechnik an Indien, obwohl New Delhi den NPT nicht unterzeichnet hat. Die US-Regierung, die den Deal initiiert hatte, vereinbarte zwar eine Überwachung der zivilen indischen Atomanlagen durch die IAEA. Sie ließ sich auch zusichern, dass Indien keine sensitive Nukleartechnik exportieren und vorläufig auch keine Atombomben zu Testzwecken mehr zünden wird. Dennoch herrscht Sorge darüber, ob mit der Überwachung der zivilen Nuklearanlagen durch die IAEA tatsächlich sicher gestellt ist, dass Indien importierte Technik nicht militärisch verwendet.

Eindringliche Mahnung Papst Benedikts XVI.

Erzbischof Mamberti erinnerte in seinem Statement in Wien an die eindringliche Mahnung Papst Benedikts XVI. vor einer globalen Verbreitung der Nuklearwaffen. Die Zahl der Länder mit Atomwaffen werde immer größer, hatte der Papst in seiner diesjährigen Weltfriedenstags-Botschaft bedauert. Es sei deshalb dringend notwendig, konkrete Vereinbarungen zu schließen, die das Ziel einer effektiven Abrüstung insbesondere im atomaren Bereich angehen.

An der Wiener IAEA-Konferenz nahm auch der Ständige Vatikan-Vertreter bei den Wiener UNO-Behörden, Msgr. Michael Banach, teil. Banach hatte den Vatikan u.a. auch bei den zwei UN-Großkonferenzen repräsentiert, die heuer in Wien stattfanden. Es handelte sich um die Vorbereitungskonferenz zu der für 2010 geplanten "Review Conference" zum NPT und um das VII. "Global Forum on Reinventing Government".

El-Baradei fordert Erhöhung der IAEA-Mittel

IAEA-Generaldirektor Mohammed El-Baradei forderte bei der Jahreskonferenz in Wien eine Erhöhung der Mittel, damit die IAEA weiterhin ihre Überwachungsfunktion erfüllen kann. "Es wäre eine Tragödie, wenn wir erst nach einem atomaren Zwischenfall, einem Nuklearunfall oder einem Terroranschlag handelten, der hätte verhindert werden können", warnte El-Baradei bei der Eröffnung der Jahresversammlung.

El-Baradei beklagte, dass die finanziellen Mittel für die IAEA seit den frühen achtziger Jahren kaum mehr erhöht worden seien. Die Internationale Atomenergiebehörde soll ihren Mitgliedsländern zum einen bei der Nutzung der friedlichen Kernenergie helfen und gleichzeitig die Einhaltung des Atomwaffen-Sperrvertrages überwachen.

Nach Angaben El-Baradeis werden die Inspektoren der Behörde durch Aufgaben wie die Überwachung des iranischen Atomprogramms zunehmend "überstrapaziert".

"Welt-Institut für nukleare Sicherheit"

Anlässlich der Generalversammlung wurde auch die Gründung eines "Welt-Instituts für nukleare Sicherheit" in Wien bekanntgegeben. Das Institut, das vor allem auf Anregung der USA entsteht, soll unter anderem alle Fragen im Zusammenhang mit der Bedrohung durch nuklearen Terror und den illegalen Schmuggel von spaltbarem Material untersuchen.

"Atomterror ist unter den vielen Bedrohungen, denen die Welt ausgesetzt ist, in der nächsten Zukunft vielleicht die größte Gefahr", warnte der IAEA-Generaldirektor in seiner Eröffnungsansprache.(ende)
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