Forderungen an eine neue Regierung

Tag der Apotheke 2008

Wien (OTS) - Um das Gesundheitsangebot für die Bevölkerung zu verbessern, wollen die Apothekerinnen und Apotheker ihre Leistungen und Services weiter ausbauen. Die Österreichische Apothekerkammer fordert von einer neuen Regierung die Unterstützung und die gesetzlichen Rahmenbedingungen für vier konkrete Vorhaben:

1. Verbesserte Arzneimittelversorgung am Land durch Apotheken 2. Arzneimittel-Sicherheitsgurt 3. Aut idem/Wirkstoffverordnung 4. Prävention

1. Verbesserte Arzneimittelversorgung am Land durch Apotheken

Im städtischen Gebiet kennt die Bevölkerung keine ärztlichen Hausapotheken. Alle Bewohner werden durch öffentliche Apotheken mit Medikamenten versorgt. Am Land ist das in Österreich vielerorts anders. Patienten kommen nicht immer in den Genuss der apothekerlichen Beratung und des Vollsortiments einer öffentlichen Apotheke rund um die Uhr, sondern sind auf das kleine Medikamenten-Lager des Hausarztes angewiesen.

"Es ist unser Ziel, die Arzneimittelversorgung am Land in den kommenden Jahren deutlich zu verbessern", sagt Mag. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer. Hausapotheken sind lediglich ein Notapparat. Die umfassende Arzneimittelversorgung bieten nur öffentliche Apotheken an.

Jedes Jahr gehen zwei bis drei Ärzte am Land in Pension und stellen damit ihren Medikamentenverkauf ein. Überall dort, wo Hausapotheken von Ärzten schließen und Apotheken aufsperren, verbessert sich die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung deutlich. Das bestätigen die Einwohner in allen Gemeinden mit neu eröffneten Apotheken.

Von einer neuen Regierung fordert die Apothekerkammer die gesetzliche Festlegung, dass Apotheken bei der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln der Vorrang zu geben ist.

Derzeit versorgen 1230 öffentliche Apotheken (plus 18 Filialapotheken) und 962 Landärzte mit Hausapotheken die österreichische Bevölkerung mit Arzneimitteln. "Wir sind die Arzneimittelfachleute in Österreich und wollen in Zukunft alle Versorgungslücken am Land mit Apotheken schließen", so Burggasser.

2. Arzneimittel-Sicherheitsgurt

Jedes fünfte Medikament in Österreich wird falsch, doppelt oder gar nicht eingenommen. Dieser nachlässige Umgang mit Arzneimitteln kann sehr gefährlich und teuer werden. Dem Gesundheitssystem entstehen unnötige Kosten in Millionenhöhe. Betroffene kostet es womöglich die Gesundheit oder schlimmstenfalls das Leben.

Der "Arzneimittel-Sicherheitsgurt mit e-card" hakt genau da ein und bietet eine probate Lösung an. Diese speziell für Apotheken entwickelte, vernetzte Datenbank überprüft elektronisch, ob die von einem Konsumenten angewendeten Medikamente zusammenpassen. Dadurch wird auch ein gezieltes Einsetzen von Arzneimitteln möglich. Die bisherigen Entwicklungskosten für das Pilotprojekt in Salzburg wurden von der Apothekerschaft getragen.

Die österreichische Apothekerkammer fordert die rasche Einführung des "Arzneimittel-Sicherheitsgurt" in allen Apotheken Österreichs und die Übernahme der Kosten durch die öffentliche Hand.

Burggasser: "Der Arzneimittel-Sicherheitsgurt funktioniert einfach, unbürokratisch, sicher, ist für Patienten freiwillig und kostenlos, volkswirtschaftlich sinnvoll und über die e-card vernetzt. Das erste Stück ELGA."

Die Datenbank kann alle Medikamente erfassen - egal, ob vom Arzt verschrieben oder nicht. Bei einem Pilotprojekt in 71 Apotheken in Salzburg wurden über 14.500 Wechselwirkungsprobleme gelöst und 4.200 Doppelmedikationen verhindert. Das Potential von zu erkennenden schweren Wechselwirkungen durch den Arzneimittel-Sicherheitsgurt liegt österreichweit bei geschätzten 380.000 Fällen pro Jahr. Einsparungen für das Gesundheitssystem: bis zu 150 Millionen Euro.

3. Aut idem: Eine neue Generika-Offensive

"Aut idem" oder die "Wirkstoffverschreibung" war ein Angebot der Apotheker bei der geplanten Gesundheitsreform. Dabei soll der Arzt ein konkretes Produkt (Medikamentenname) oder nur den Wirkstoff verschreiben. Die Krankenkassen erstatten die Generika aus den jeweiligen Referenzgruppen innerhalb eines festgelegten Preisbandes. Der Patient hat dabei die Möglichkeit, auch Präparate außerhalb des Preisbandes zu beziehen. In begründeten Ausnahmefällen kann der Arzt von der Wirkstoffverordnung absehen (Therapietreue, Unverträglichkeit etc.).

Das Österreichische Institut für Gesundheitswesen (ÖBIG) schätzt, dass die Umsetzung von Aut idem dem österreichischen Gesundheitssystem eine Einsparung von rund 36 bis rund 56 Millionen Euro pro Jahr bringt.

"Generika wirken genau so gut wie Original-Arzneimittel. Wir wollen den Menschen die Angst nehmen, dass sie bei der Wirkstoffverschreibung etwas Schlechteres bekommen. In anderen Ländern haben sich Generika-Offensiven bereits bewährt. Der Austausch von Arzneimitteln in der Apotheke ist dort eine Selbstverständlichkeit", sagt Präsident Burggasser.

Die Österreichische Apothekerkammer fordert, dass Aut idem in Österreich umgesetzt wird, die Apotheker auf Basis der Wirkstoffverschreibung das beste, aber günstigste, Medikament abgeben und somit das tatsächliche Einsparpotential den Krankenkassen zugute kommen kann.

4. Prävention

Die 1.230 Apotheken in Österreich sind sehr gut geeignet, um Vorsorgemaßnahmen durchzuführen. Das hat die Apotheken-Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit" im Jahr 2006 eindrucksvoll gezeigt. 68.000 Österreicherinnen und Österreicher haben damals ihre fünf Gesundheitswerte Blutdruck, Cholesterin, Bauchumfang, Blutzucker und Gewicht messen lassen. Dabei wurde entdeckt, dass 53 Prozent der Österreicher erhöhte Cholesterinwerte aufweisen, 46 Prozent fettleibig sind und weitere 46 Prozent einen erhöhten Blutdruck haben. Außerdem wurden 1.500 Diabetiker neu erkannt. Die Apothekerschaft hat diesen Service kostenlos und unbürokratisch im Rahmen des "Tages der Apotheke" angeboten.

Viele Leute gehen nicht zur Vorsorgeuntersuchung zum Arzt. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: weil sie sich nicht krank fühlen, weil sie Angst vor möglichen Krankheiten haben oder weil sie sich einfach keine Zeit dafür nehmen. Ein niederschwelliges Angebot zum kurzfristigen Gesundheits-Check füllt offenbar eine Marktlücke am Vorsorge-Markt.

Die Österreichische Apothekerkammer fordert von der Politik eine stärkere Einbindung in Vorsorgemaßnahmen im Gesundheitsbereich.

Tag der Apotheke: Dienstag, 7. Oktober

Jede zweite Verschreibung von Hautärzten, jede dritte Verschreibung von Kinderärzten und jede achte Verschreibung von Augenärzten werden in der Apotheke frisch zubereitet.

Handgemacht aus der Apotheke. Unter diesem Motto zeigen die Apothekerinnen und Apotheker am "Tag der Apotheke", dem 7. Oktober 2008, wie sie Arzneimittel und Pflegeprodukte selbst anfertigen. Zwar wirken industriell erzeugte Medikamente sehr gut, sind aber nicht immer das, was ein Patient gerade braucht. Bei der Handanfertigung stimmen die Apothekerinnen und Apotheker die Präparate individuell auf die Bedürfnisse ihrer Kunden ab. Diese Einzelanfertigungen nennt man "magistrale Zubereitung".

"Die magistrale Zubereitung ermöglicht es, bestimmte Konservierungsmittel wegzulassen, diverse Wirkstoffe miteinander zu kombinieren oder auch individuelle Dosierungen für Kinder oder Senioren anzufertigen", sagt Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer. "Ebenso können wir nach Wunsch spezielle Arzneiformen wie zum Beispiel Zäpfchen statt Tabletten herstellen."

Geschüttelt, gerührt oder als Zäpfchen

Der Berufsstand der Apotheker allein ist in der Lage, Arzneimittel nach Maß anzufertigen. Diese Tätigkeit erfordert großes pharmazeutisches Wissen und eine hohe handwerkliche Qualität. Beides haben sich die Apotheker in ihrem Studium und in jahrelanger Praxis angeeignet.

Am häufigsten werden magistrale Zubereitungen nach Rezept bei Hautkrankheiten eingesetzt. Dort machen sie bereits 40 Prozent der ärztlichen Verschreibungen aus. Auch Augentropfen oder Augensalben werden häufig frisch in der Apotheke angefertigt. Bei diesem Service ist Österreich führend in ganz Europa. Außer in Österreich werden nur in Deutschland und in der Schweiz Tropfen und Salben für die Augen handgemacht.

Auf einen Blick

Österreich wird von 1.230 öffentlichen Apotheken mit Arzneimitteln versorgt. In Summe kommen diese auf 4 Millionen Einzelanfertigungen pro Jahr. Das bedeutet, dass jede Apotheke im Durchschnitt 3.300 Arzneimittel pro Jahr oder zehn magistrale Zubereitungen am Tag selbst zubereitet.

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