Bei Kirchgängern ist ÖVP immer noch weitaus stärkste Partei

Aber gegenüber Nationalratswahl 2006 sank Prozentsatz der VP-Wähler in dieser Gruppe von 57 auf 50 - Meinungsforscher Ulram erläuterte beim "Jour fixe" der katholischen Publizisten Exit-Polls

Wien, 2.10.08 (KAP) Bei den regelmäßigen Kirchgängern ist die ÖVP immer noch die weitaus stärkste Partei: 50 Prozent der stark kirchengebundenen Katholiken haben bei der jüngsten Nationalratswahl der Volkspartei ihre Stimme gegeben, unter den Katholiken insgesamt betrug der Anteil der VP-Wähler 30 Prozent. Diese Daten auf der Grundlage telefonischer Exit-Polls (Befragungen am Wahltag) präsentierte der Meinungsforscher Peter Ulram vom GfK-Institut beim "Jour fixe" der katholischen Publizisten am Mittwochabend in Wien.

Der Blick auf frühere Urnengänge belegt jedoch auch für die Kirchgänger eine schwindende Attraktivität der Volkspartei: Bei den Parlamentswahlen 2002 wählten 69 Prozent die ÖVP, 2006 waren es 59 Prozent, diesmal nur mehr 50 Prozent. Zum Vergleich die SPÖ-Wähler in dieser Zielgruppe: 2002 und 2006 machten je 22 Prozent der Kirchgänger ihr Kreuz bei den Sozialdemokraten, 2008 nur mehr 18 Prozent.

Am stärksten dazu gewonnen haben 2008 auch bei den regelmäßigen Kirchgängern die rechtspopulistischen Parteien FPÖ und BZÖ: 13 bzw. 8 Prozent wählten "blau" bzw. "orange". Bei den sporadischen Kirchgängern betrug der Anteil der FPÖ- bzw. BZÖ-Wähler 19 bzw. 12 Prozent. Einen ähnlichen Stimmenanteil erreichten die beiden Parteien bei den protestantischen Wählern: 19 bzw. 15 Prozent.

Die Grünen spielen bei den Kirchengebundenen nur eine untergeordnete Rolle: Nur 5 Prozent der regelmäßigen und 9 Prozent der sporadischen Kirchgänger wählten grün; die Befragten ohne religiöses Bekenntnis dagegen entschieden sich zu 15 Prozent für die Öko-Partei.

Laut Meinungsforscher Ulram haben sich diese Ergebnisse erst spät im Wahlkampf herausgebildet. Anfangs habe die ÖVP einen Vorsprung gehabt, den sie gegenüber der SPÖ nach einem "erbärmlichen Wahlkampf" (O-Ton Ulram) verspielte. Auffallend hoch mit fast 30 Prozent sei diesmal der Anteil an Wechselwählern gewesen - und jeder zweite davon habe sich letztlich für FPÖ oder BZÖ entschieden. Als wichtigste Wahlmotive bezeichnete Ulram die Unzufriedenheit mit der Regierungsperiode der SP-VP-Koalition sowie das Thema "Ausländer", das freilich Aufhänger für verschiedene Lebensunsicherheiten sei. Gerade auch die Jungwähler seien dafür ansprechbar gewesen und hätten zu einem hohen Prozentsatz "rechts" gewählt.

Für das schlechte Abschneiden der ÖVP machte Ulram einerseits den Spitzenkandidaten verantwortlich, andererseits das gerade angesichts der globalen Finanzkrise unverständliche "Verstecken" der Wirtschaftskompetenz der Volkspartei. Unglaubwürdig sei auch gewesen, dass die Volkspartei kurz vor der Wahl beim "Wahlgeschenkeverteilen" mitgemacht habe - und das trotz des eingestandenen schwindenden Spielraums für eine groß angelegte Steuerreform. Familienpolitik hat im Wahlkampf laut Ulram keine Rolle gespielt. (ende)
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