Rauchverbot: Ärztekammerchef kritisiert "Ignoranz der Politik"

Keine Chance für Gastronomen, rauchfreie Lokale in Österreich zu etablieren - "Armutszeugnis für Österreichs Gesundheitsadministration"

Wien (OTS) - Ärztekammerpräsident Walter Dorner erneuert seine vehemente Forderung nach einem generellen Rauchverbot in österreichischen Gastronomiebetrieben. Es sei ein beschämender Zustand, dass gesundheitsbewusste Lokalbetreiber keine Chance bekämen, ihre Betriebsstätten rauchfrei zu halten. Nur durch ein generelles Rauchverbot sei sichergestellt, dass es zu keinen Benachteiligungen und Umsatzeinbußen in der Gastronomie käme, meint Dorner. ****

Der Ärztechef nimmt damit Bezug auf die jüngste Entscheidung von Wein & Co-Chef Heinz Kammerer, in seinen 16 Wein & Co-Filialen das von ihm ursprünglich verhängte Rauchverbot wieder aufheben zu müssen. "Erst vor Kurzem konnten wir Wein & Co das Nichtraucher-Zertifikat der Österreichischen Ärztekammer verleihen. Nun muss ein engagierter Gastronom wegen der Ignoranz und der Unfähigkeit der scheidenden Gesundheitsministerin klein beigeben und aus ökonomischen Gründen wieder den Nikotinmissbrauch in seinen Lokalen gestatten."

Dorner hat trotz seines langjährigen Eintretens für rauchfreie Lokale in Österreich "auch Verständnis für die Entscheidung Kammerers". Die österreichische Gesundheitspolitik habe es verabsäumt, ein generelles Rauchverbot in den Lokalen, wie beispielsweise in Italien und Irland schon längst Realität, einzuführen. "Wie sollen nun einzelne Restaurantbetriebe eine Vorreiterrolle übernehmen, wenn die Gesetzeslage in Österreich dermaßen schwammig ist, dass letztendlich überall krebserregende Stoffe in die Luft geblasen werden dürfen?", kritisiert Dorner.

Nicht nur in der Gastronomie werde der Vorsorgegedanke mit den Füßen getreten. "Ich war am Wochenende bei einer Aufführung im Linzer Brucknerhaus. Es gab keinen einzigen Pausenraum, in dem nicht geraucht wurde." Überall sei man angequalmt worden. Damit würde jedes kulturelle Vergnügen "nachhaltig getrübt".

Effektive Gesundheitsvorsorge statt "peinlicher PR-Gags"

Es sei erschreckend, welch geringen Stellenwert die Gesundheitsvorsorge hierzulande einnehme. Ausschließlich der Ärztekammer sei es gelungen - teilweise mithilfe weiterer Gesundheitspartner wie der Gebietskrankenkasse und der Gemeinde Wien -, nachhaltige Akzente in der Gesundheitsvorsorge zu setzen. So habe man im letzten Jahr die Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen in Wien um mehr als 10 Prozent erhöhen können, betont Dorner.

Konterkariert wurden diese Bemühungen lediglich "durch die Ignoranz der Politik". Dorner: "Wir würden uns wesentlich leichter tun, wenn auch die Regierung an einem Strang mit uns ziehen und Maßnahmen setzen würde, um die Gesundheitsvorsorge in Österreich nachhaltig zu fördern."

Umfassende Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise das von der Ärztekammer für heuer ausgerufene "Jahr der Gesundheitsvorsorge" vermisse er seitens des Gesundheitsministeriums völlig. "Will sich das Ministerium hier in das Eck der Totalversager stellen lassen?", fragt Dorner, der sich von der neuen Regierung die Installierung eines Gesundheitsministers wünscht, der "weniger durch peinliche Ankündigungspolitik und PR-Gags, sondern mehr durch effektive präventive Gesundheitsmaßnahmen auffällt".

Zu den dringlichsten Aufgaben gehöre die Forcierung effektiver Gesundheitsvorsorge in Österreich. Die Notwendigkeit, als Gast in praktisch allen Lokalen Österreichs weiterhin den Rauch anderer Gäste einatmen zu müssen, sei jedenfalls ein Umstand, "der auf jeden Fall von der neuen Gesundheitsministerin oder dem neuen Gesundheitsminister raschest beendet gehört", so Dorner abschließend, der wörtlich von einem "Armutszeugnis der österreichischen Gesundheitsadministration in Sachen Nikotinmissbrauch" spricht. (hpp)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222
Fax: (++43-1) 51501/1289
hpp@aekwien.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001