WirtschaftsBlatt-Kommentar: Ist die heimische Krisenfeuerwehr gerüstet? - von Alexis Johann

Die Krise muss zusammenschweißen, was der Wahlkampf trennte

Wien (OTS) - "Wo sind die Milliarden, die von den Nationalbanken
in den Markt gepumpt werden?", fragt man sich in den Treasury-Abteilungen der Banken. Tatsächlich ist der Finanzierungskreislauf der Banken in den vergangenen Wochen beinahe komplett zum Erliegen gekommen. Innerhalb von Tagen, Stunden und Minuten werden große Finanzinstitute von Finanzierungen aus dem Bankensektor abgeschnitten. Den Letzten, der zu spät den Kredithahn zudreht, beißen so die Hunde. So wie bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die der krachenden Investmentbank Lehman in letzter Sekunde noch über 300 Millionen Dollar zuschoss.

Seit gestern ist das Karussell des Todes auch in Europa voll im Gang. Probleme gibt es bei der niederländischen Fortis, bei der belgischen Dexia sowie dem deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Deutschland reagierte in einer Blitzaktion: Bund und Banken sorgten gestern nach Absprache mit der deutschen Bundesbank sowie der Finanzaufsicht BaFin für Bürgschaften von insgesamt 35 Milliarden Euro. Der Bund selbst übernimmt davon 26,5 Milliarden Euro.

Stellt sich die Frage: Wären die heimischen Institutionen in der Lage so schnell zu reagieren, sollte die Krise eine österreichische Bank treffen? Die Frage ist rein theoretisch und baut auf kein wie auch immer geartetes Gerücht. Was wäre, wenn Erste Bank, Raiffeisen International oder eine Immobiliengesellschaft in Schräglage geriete und verbundene Kreditgeber mitzureißen drohte? Faktum ist, dass wir für diesen Zustand eine handlungsfähige Regierung brauchen und einen Nationalrat, der eine Quasi-Verstaatlichung rasch genehmigt. Trotz Post-Wahl-Euphorie bzw. -Trauma überwiegt die Hoffnung, dass die Krise zusammenschweißt, was der Wahlkampf trennte. Doch nach Meinung von Experten ist zur Sicherung des Finanzplatzes mehr zu tun - auch wenn Österreich mit Osteuropa ein zweites Bein hat.

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny versicherte vergangene Woche, dass durch die mit Jänner 2008 eingeführte Aufgabentrennung zwischen Nationalbank und Finanzmarktaufsicht prinzipiell rasches Handeln möglich sei. Die Fakten findet die OeNB, die Entscheidungen trifft die FMA. Nowotny betonte allerdings, dass es Handlungsbedarf gebe. Er wünscht sich schärfere Maßnahmen, wie Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen zur Beweissicherung, die Erweiterung der Auskunftsrechte, falls sich eine Bank unkooperativ verhalte. Und eine Handhabe, um für eine Bank höhere Eigenmittel einfordern zu können. Ein Aufgabe für kommende Koalitionsgespräche ist damit also fixiert.

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