"KURIER"-Kommentar von Simon Kravagna: "Mit Retro-Charme in die Zukunft"

Haider hat die Weichen für seine Wiederwahl in Kärnten 2009 gestellt.

Wien (OTS) - Die wahre Überraschung dieser Wahl ist Jörg Haider. Die hohe Zustimmung für FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war prognostiziert, die Wiederauferstehung von BZÖ-Chef Haider wurde nur von wenigen Kennern der politischen Landschaft vorhergesehen. Haider ist sozusagen der Ivica Vastic der Innenpolitik, wie der Politikberater Thomas Hofer treffend bemerkte. Der Routinier aus der Provinz wirkt zwar nicht mehr so agil und frisch wie früher, aber für die Gegner von heute reicht sein spielerisches Können noch allemal.
Dieser Retro-Charme kam Haider gerade bei den TV-Duellen zugute. Nicht nur die grauen Schläfen trugen dazu bei, Haider gereifter erscheinen zu lassen. Bewusst verzichtete der Altpolitiker auf extremistische Äußerungen, spielte lieber den Sachpolitiker mit Regierungserfahrung und wirkte zunehmend entspannter.
Wie es in Haider wirklich aussieht und welche Persönlichkeits-Wandlung als Nächstes bevorsteht, das weiß wohl nicht einmal er selbst. So wie es falsch ist, international Haider wieder ins Nazi-Eck zu stellen, so falsch wäre es, national seine umstrittenen Auffälligkeiten in diese Richtung einfach zu vergessen. Rein strategisch hat Haider gute Karten. Wie einst die CSU-Ministerpräsidenten in Bayern wird Haider aus Kärnten gestärkt in der Bundespolitik mitmischen. Ob seine Partei dabei in der Regierung oder in Opposition ist, das kann fast schon egal
sein.
Das Ziel ist für den BZÖ-Chef ohnehin ein klarer Sieg bei der Landtagswahl in Kärnten im März 2009. Bis dahin kann er sich eifrig als Regierungspartner bewerben und leise im blauen Lager auf eine Wiedervereinigung der Rechten hinarbeiten. In Kärnten scheint wieder einmal die Sonne.

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