"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Die Blauen in der Warteschleife"

Für Strache ist es leichter, weiter den Ausgegrenzten zu spielen, als zu regieren.

Wien (OTS) - Er wolle Kanzler werden, hatte FPÖ-Chef Strache angesichts des Zugewinns von sieben Prozent am Wahlabend verkündet. Es war wohl der Überschwang der Gefühle, der ihn zu dieser Ansage trieb. Wie das gehen soll, konnte er ohnehin nicht sagen.
Auch zum Vizekanzler wird es die blaue Rabiat-Perle nicht bringen. Die SPÖ, mit der die FPÖ eine knappe Mandatsmehrheit hat (die nach Auszählung der Wahlkarten dahin sein könnte), wird sich mit Strache nicht zusammentun. Bliebe nur ein Dreibund mit ÖVP und BZÖ. Mit den Orangen will aber die FPÖ-Spitze nach wie vor keine gemeinsame Sache machen.
Aus den unteren Reihen der Freiheitlichen ertönt hingegen der Ruf, es doch wieder mit den einstigen Gesinnungsfreunden zu versuchen -wenn schon nicht in einer Partei, dann zumindest in einer Regierung. 30 Prozent für das dritte Lager stimmen milde.
Abgesehen davon, dass sich eine Koalition aus Dreien schwertäte -mit Egomanen wie Strache und Haider (auch wenn der einen Stellvertreter entsenden würde) wäre sie von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Und so hofft Strache wohl auf eine kleine Große Koalition. Bei einer solchen kann er weiterhin den armen Ausgegrenzten spielen - und darauf setzen, dass Rote und Schwarze aus ihren Fehlern nicht lernen. Das brächte ihm Munition für eine Schlacht, die ihm ebenso wichtig ist wie jene im Bund: die Wiener Gemeinderatswahl 2010. Wie groß die Angst vor den Blauen ist, hat die Reaktion von Bürgermeister Häupl auf deren Ergebnis gezeigt: "Ab heute heißt der Gegner nicht mehr ÖVP, sondern Strache."

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