"KURIER"-Kommentar von Daniela Kittner: "Der verratene Mittelstand"

Die Volkspartei tritt das Aktivpotenzial des Landes an Rechtsparteien ab.

Wien (OTS) - Man sollte die ÖVP auf ein Selbstfindungsseminar schicken. Die Partei ist drauf und dran, sich nach der Abfuhr bei den Wählern selbst den Rest zu geben. Wie eh und je zerfällt sie in Bündeinteressen und Länderrivalitäten. Bereichert wird der Konflikt durch Schüssel-Nostalgiker, die glauben, die ÖVP müsse nur wieder den Kanzler stellen, und alles wird wieder gut.
Letztere übersehen, dass Schüssels Kanzlerschaft die ÖVP zwar kurzzeitig aus ihrer Krise von 1999 befreite, sie aber - um ein Lieblingswort der Schwarzen zu strapazieren - nicht nachhaltig als Volkspartei verankerte. Das Strohfeuer von 2002, das durch die Fremdakquisition Grasser aufloderte, ist erloschen, die ÖVP wieder dort, wo sie 1999 war. So gesehen ist die aktuelle Molterer-Krise nur ein Ausapern verschleppter Systemschwächen. Die ÖVP hätte schon 2006 erkennen müssen, dass nicht der Wähler etwas falsch machte, sondern sie.
Ihr Hauptfehler ist, dass sie ihre genuine Aufgabe, den Mittelstand zu vertreten, vergaß. Wie die Wahlanalysen zeigen, wird die ÖVP bei großen Gruppen, die das wirtschaftliche Aktivpotenzial des Landes ausmachen, von der FPÖ eingeholt. 23 Prozent der in der Privatwirtschaft Tätigen haben FPÖ gewählt, 13 Prozent BZÖ - nur 20 Prozent die ÖVP! Bei den 30- bis 44-Jährigen, bei erwerbstätigen Männern und bei Fachschul-Gebildeten liegen ÖVP und FPÖ gleich auf. Sogar bei den Selbstständigen sieht die ÖVP die FPÖ schon im Rückspiegel.
Statt als Finanzminister für den Mittelstand Markierungen zu setzen, hat Molterer seine Eifersucht auf Gusenbauer ausgelebt. So eine Politik, das steht fest, bringt die ÖVP ihrem Kanzlertraum nicht näher.

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