"KURIER"-Kommentar von Andreas Schwarz: "Politik gegen die eigene Klientel"

Werner Faymann hat seinen Spielraum fürs Regieren erheblich eingeengt.

Wien (OTS) - Sieger sehen anders aus. Mit dem Minus von 5,6
Prozent und dem schlechtesten Ergebnis ihrer Geschichte hat die SPÖ am Wahlsonntag den ersten Platz erstolpert - nicht dank der Brillanz des Spitzenkandidaten oder ihres Programms, sondern weil die ÖVP noch tiefer mit unterging. Und weil die beiden Rechtsparteien (noch) spinnefeind sind.
Der Katzenjammer nach dieser Wahl hätte noch ein ganz anderer sein können.
Werner Faymann hat zum Anwachsen des rechten Lagers viel beigetragen, indem er es vor der Wahl dezidiert ausgegrenzt hat (schlag nach bei Vranitzky und Klima). Da halfen auch großzügige Wahlgeschenke nichts: Bei einer Stammwähler-Klientel, die sich zum guten Teil auch FPÖ und BZÖ in einer Regierung wünscht und die Große Koalition satthat, kommt das nicht gut an.
Jetzt legt sich Faymann auf die einzige sonst noch mögliche Koalitionsvariante fest, auf die Koalition der Verlierer im neuen Stil. Er wird das in trauter Eintracht mit der Krone trommeln, wird sehr schnell sein Personal in Stellung bringen (mit Claudia Schmied als möglicher Finanzministerin hat er das schon getan) - und kann nur abwarten, wie sich die ÖVP entscheidet.
Der SPÖ-Chef ist ein Gefangener seines eigenen Stils: Zu Tode umarmen und alles versprechen (plus Geld verjuxen) ist nicht gerade eine Einladung zu einer Partnerschaft. Könnte sein, dass er sich als Chef einer Minderheitsregierung auch künftig freie Mehrheiten suchen muss, so lange er sie kriegt.
Dummerweise kann er sich Neuwahlen, die dann unweigerlich folgen würden, nach dem dürftigen Ergebnis vom Sonntag nicht wirklich wünschen.

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