- 29.09.2008, 09:10:50
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Wien: Neues Buch über Wiener Höhenstrasse erschienen
Wien (OTS) - Aus dem reichhaltigen Fundus des von Flohmärkten und
Sammlerbörsen bekanntem Sujet "Wien in alten Ansichten" - man fragt
sich, welche Stadt sonst noch im Laufe ihrer Knipser-Geschichte
dermaßen große Auflagen über sich selbst auf den Markt gebracht hat -
ist kürzlich im Sutton Verlag ein Buch über "Die Wiener Höhenstrasse"
erschienen. Verfasst und konzipiert von Johannes Sowa schildert das
knapp 100seitige Werk vor allem den 1905 erstmals angedachten, im
autoritären Ständestaat dann umgesetzten Bau dieser rein
touristischen Strasse. Konzipiert als bewusst manuell und damit
Arbeitskräfte bindendes Arbeitsprogramm - der ideologische Versuch,
den Freiwilligen Arbeitsdienst in den Mittelpunkt zu stellen, ging
nicht auf - entwickelte sich ein bis heute überraschend eigenwillig
wirkender Straßenzug mitten durch den stadtnahen Wienerwald, dessen
Blickpunkte teilweise noch heute einzunehmen wissen.
Im Vergleich zur 1993 erschienenen, und heute leider vergriffenen
Studie des Historiker Georg Rigele über die Höhenstrasse nimmt sich
Sowas Bildersammlung vergleichsweise harmlos und "nett" aus,
nichtsdestoweniger sind auch im wenigen Text das eine oder das andere
Bemerkenswerte dabei: Von der Höhenstrasse als "die"
Führerschein-Übungsroute bis zur nicht ausgeführten Sprungschanze des
Architekten Adolf Hoch, die ein Atrium für 25.000 Besucher und eine
Schanze von 60 Metern Länge beim Cobenzl vorsah. Ähnliches gilt auch
für die Geschichte nicht durchgezogener Denkmäler entlang der
Strasse. In Summe gewinnt man den Eindruck, dass die Höhenstrasse mit
allen ihren Zu- und Abfahrten letztendlich auch die Planer was Design
und Ausstattung derselben betraf, überfordert haben dürfte.
Durchgehend schwarz/weiß dokumentiert erinnern die Bilder, die
großteils aus der Privatsammlung Sowas, wie aus dem Fundus des
Bezirksmuseums Döbling stammen, an untergegangene Noblesse sonniger
Sonntagnachmittage, wo man zum Cobenzl oder auf den Kahlenberg
ausfuhr, sich zeigte, einander zu Kaffe und Mehlspeise traf.
Prestigebauten, wie die Höhenstrasse, haben sicherlich auch andere
Städte, über das Lokale dürfte die Wiener Version aber niemals
hinausgereicht haben. Mag sein, dass dies auch am Landschaftsgestus
liegt: Die Pflege der Blickpunkte kostet Geld und die zerstreuende
Optik der Buchenwälder des Wienerwaldes sind in Summe kaum zu
unterbinden. Dass Sowa, der an der Höhenstrasse wohnt und dessen
Großvater der letzte amtierende Wagenrufer an der Wiener Höhenstrasse
war, auch an die Erhaltungskosten in seinem Vorwort erinnert, ist
ehrenwert, erinnert aber auch an die Tatsache, dass Städte zu Erben
von Geschenken werden können, die man - könnte man es sich aussuchen
- gerne jemanden anderen vermachen würde.
Kommenden Mittwoch (1.10.) wird das Buch im Bezirksmuseum
Döbling in der Villa Wertheimstein (19., Döblinger Hauptstrasse 96)
der Öffentlichkeit vorgestellt. Beginn ist um 19.00 Uhr.
o Johannes Sowa, "Die Wiener Höhenstrasse", 96 Seiten, 150 Abbildungen, Wien 2008, Euro 18,90, Sutton Verlag ( www.suttonverlag.de )
(Schluss) hch
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Mag. Hans-Christian Heintschel
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