Gestörte Großwetterlage. PRISMA Vorstand Bettina Selden über das Weltwirtschaftsklima.

Wien (OTS) - Ein umfangreiches Zentraltief liegt mit seinem Kern
im Gebiet der USA und steuert Einzelstörungen kreisförmig von Spanien über Italien und Irland, weiter nach Mitteleuropa. Frontausläufer greifen abgeschwächt auf Österreich über, sodass die österreichische Wirtschaft allmählich an Fahrt verliert.

Im Zuge der merklichen Verlangsamung der Weltwirtschaft wird sich das österreichische Wirtschaftswachstum in 2008 und noch erheblicher in 2009 verringern. "Ich erwarte eine schrittweise Umkehr der Insolvenzkurve", sagt Bettina Selden, Vorstand bei PRISMA Kreditversicherung. "Die Gesamtinsolvenzen werden 2009 zumindest auf die Zahl von 2007 ansteigen. Damals mussten 6.300 Unternehmen mit Gesamtverbindlichkeiten in Höhe von 2,4 Milliarden EUR das Handtuch werfen."

Die am schwersten betroffenen Branchen bleiben weiterhin die Baubranche, die Gastronomie und der Dienstleistungssektor. Die Alarmglocken läuten bei der Textil- und Lederbranche (+18 %), Chemie/Pharmazie (+16 %) und der Landwirtschaft (+7 %) - auch wenn die drei gemeinsam nur 5 % der Insolvenzen ausmachen.

Die globalen Zeichen stehen auf Sturm

In vielen Ländern kam es bereits zu einem erstaunlichen Anstieg der Firmenpleiten. Auslöser der Trendwende waren die USA, wo 2007 unerwartet 44 % mehr Unternehmen Insolvenz anmelden mussten als im Jahr davor. Auch heuer ist mit einem weiteren Anstieg von mindestens 35 % der Fälle zu rechnen. Der Einbruch im Immobilienverkauf und Wohnungsbau schwächt in Folge die Leistung der Industrie und führt zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Sektoren, die direkt oder indirekt in den Immobilienmarkt oder das Immobilienkreditwesen eingebunden sind, stehen natürlich an vorderster Front. Der erst unlängst erfolgte Zusammenbruch von Lehman Brothers zeigt eindrucksvoll, wie die hausgemachte Kreditkrise für eine Erschütterung der Finanzbranche sorgt, die selbst die Terrorangriffe vor fast genau sieben Jahren nicht bewirkt hatten. Das Finanzsystem in den USA befindet sich in einer schweren Krise und ist auf dem Weg mitten in einen der schwersten Stürme unserer Zeit.

Europäischer Spitzenreiter des Firmensterbens ist Spanien mit einer rasanten Aufwärtsbewegung von geschätzten 90 % im Jahr 2008, gefolgt von Irland mit plus 39 %. In Spanien macht sich besonders der Einsturz des Freizeitimmobilienmarktes in den Regionen Valencia und Andalusien bemerkbar und reißt die Bauindustrie (+ 118 %) mit. Aber auch Großbritannien, Frankreich oder Italien werden 2008 ca. 10 % Insolvenzsteigerung verkraften müssen.

Mit dem niedrigsten Stand der Insolvenzentwicklung seit sieben Jahren und dem stärksten Rückgang seit der Wiedervereinigung konnte sich bisher nur die deutsche Wirtschaft dieser Entwicklung entziehen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 davor gefeit ist: Denn der Außenhandelsüberschuß, alleiniger Motor des deutschen Wirtschaftswachstums, wird angesichts der düsteren Lage, in der sich die deutschen Handelspartner befinden, rasch schrumpfen. Etwa 51 % der gesamten Insolvenzen Deutschlands traten im Dienstleistungssektor auf, gefolgt vom Handel mit 21 % und der Baubranche mit 18 %.

Globalisierung als unkontrollierter Verstärker?

Der Anstieg von 6 % des globalen Insolvenzindex im Jahr 2007, liefert Beweise für die Verwobenheit der globalisierten Wirtschaft. Die Schockwelle mit Dominoeffekt erfasst unmittelbar Unternehmen auf dem gesamten Globus. Ein Trend, von dem wir erwarten, dass er sich 2008 auf 15 % erhöht.

Die gegenwärtige Situation lässt sich mit früheren Konjunkturrückgängen nicht vergleichen. Wir befinden uns nicht länger in derselben Welt, die wir vor sieben Jahren, zur Zeit des letzten Abschwungs, in den USA gekannt haben: "Die voranschreitende Globalisierung, die Finanzmarktkrise, der Anstieg des Euro und die hohen Energiepreise, sowie das Auftreten hoher Inflationsraten sind viele Faktoren, die die Karten der üblichen Krisenmechanismen neu mischen. Ein solches Zusammentreffen hat es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben", erklärt Selden.

Lebhafter Wind erreicht China

Chinas Wirtschaft wuchs noch 2007 mit unbändiger Geschwindigkeit und das BIP steigerte sich um insgesamt 11,9 %. Somit stellt Chinas Wachstum ein Viertel des Weltwirtschaftswachstums dar. Knapp 4.400 Unternehmen wurden im vergangenen Jahr offiziell für bankrott erklärt; eine kleine Zahl angesichts der Größe der chinesischen Wirtschaft. Allerdings wird die Anzahl der Firmenpleiten angesichts der neuen Insolvenzgesetze, sowie der Weiterentwicklung des handelsrechtlichen Rahmenwerks im Schnitt um 10 % zunehmen.

In Mittel- und Osteuropa ziehen erste Wolken auf

Die Abschwächung in der EU hinterlässt ihre Spuren, das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt, aber die Prognosen sind noch immer weit höher als für die "alten EU-Länder". Tschechien, Polen und die Slowakei wachsen - wenn auch etwas weniger als in den Vorjahren. Die baltischen Tiger sind müde geworden - hohe Teuerung, hohe Kreditkosten und eine sinkende Exportnachfrage machen den drei Ländern zu schaffen.

Durch den globalen Domino-Effekt sind auch heimische Exporteure betroffen, weil sie die internationalen Märkte beliefern und in den kommenden Monaten mit einem Anstieg der Zahlungsausfälle rechnen müssen.

Euler Hermes fasst das Weltwirtschaftsklima in einer Grafik zusammen. Die gesamte Darstellung finden Sie unter www.prisma-kredit.com/Downloads/Presseaussendungen zum Download.

PRISMA prüft im Auftrag ihrer Kunden laufend die Bonität von Geschäftspartnern und versichert das Risiko von Forderungsausfällen im In- und Ausland.

PRISMA Kreditversicherungs-AG wurde 1989 gegründet. 2007 erzielte PRISMA 53 Mio. Euro Umsatz. PRISMA ist zu 100 % Tochter der OeKB EH Beteiligungs- und Management AG. Die Oesterreichische Kontrollbank AG hält 51 % der Managementholding, 49 % hält die Euler Hermes Kreditversicherung AG, Hamburg. Die Euler Hermes Gruppe ist Weltmarktführer in der Kreditversicherung und gehört zum Allianz-Konzern.

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