"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Erdbeben oder Lärm um nichts" (Von FRANK STAUD)

Ausgabe vom 27. September 2008

Innsbruck (OTS) - Hochspannung herrscht vor dem Urnengang am Sonntag. Hoffentlich siegen nicht die Nichtwähler.

Jetzt reicht's. Mit diesem Satz von Wilhelm Molterer begann einer der härtesten Wahlkämpfe in der jüngeren rot-weiß-roten Geschichte. Jetzt reicht's werden sich daher auch viele Wählerinnen und Wähler denken. Selbst wenn Werner Faymann landauf, landab erklärte, dass sein Motto "Genug gestritten" lautet, wurde von allen wahlwerbenden Parteien keine Gelegenheit ausgelassen, um den politischen Gegner zu diffamieren.

Es ist daher zu befürchten, dass die Nichtwähler am Sonntag ein heißer Anwärter auf Platz eins sind und zur stimmenstärksten Partei werden. 2006 gingen bundesweit 74 Prozent der ÖsterreicherInnen zu den Urnen. Bei den Landtagswahlen in Tirol diesen Juni nur 65 Prozent. Sollten die Prognosen der Meinungsforscher stimmen, kommen weder Rot noch Schwarz auf mehr als 30 Prozent.

Gerade in politisch turbulenten Zeiten sollten die BürgerInnen keine Chance auslassen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Allein in Tirol kann unter elf Listen ausgewählt werden. Wer nicht wählt, unterstützt indirekt automatisch jene Partei, die am meisten Stimmen erhält. Das ist selbst für Politikverdrossene eindeutig die schlechtere Wahl.

Ob am Sonntag ein politisches Erdbeben ansteht, oder die letzten Wochen letztendlich "Viel Lärm um nichts" bringen, bleibt abzuwarten. Kommt es nach dem 28. September wieder zu einer großen Koalition, wird sich das Wahlvolk größtenteils verschaukelt vorkommen. Viele werden sich fragen, wozu waren dann Neuwahlen nötig? Daher spricht viel dafür, dass SPÖ und ÖVP versuchen, eine Alternative mit anderen Parteien zustande zu bringen.

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