Oh du mein Österreich

"Oberösterreichische Nachrichten"-Leitartikel vom 27. September, von Gerald Mandlbauer

LINZ (OTS) - Montagmorgen nach der Wahl wird vielleicht die
Einsicht überwiegen, dass wir nichts gewonnen haben, außer die Erkenntnis, dass die beiden Großparteien keine mehr sind. Nächster Kanzler wird voraussichtlich sein, wer von zwei Verlierern sich am Sonntagabend weniger schlecht geschlagen haben wird. Diese Auslese unter Einäugigen wird im Jubel des Siegers untergehen. Wir werden auch das überleben.
Der Wahlkampf hat gezeigt, wofür uns die Kandidaten halten: für eine leicht zu korrumpierende Masse, die für ein paar Brösel, die sie sich selbst bezahlt, in der Wahlkabine Danke sagt.
Dieser Wahlkampf war eine Beleidigung für nachdenkliche, besorgte, kluge Wähler, die sich daraus Einsichten erhofften in ein anderes Österreich, nämlich das nächste, in dem endlich die Kraftnahrung unter jenen verteilt wird, die die Last dieses Staates schultern müssen: Das sind die Jungen, die Forscher, die Lehrer, die Entrepreneure, die integrationswilligen Zuwanderer, der Mittelstand. Keine Rede von ihnen. Stattdessen wurde ein einziges Thema malträtiert, die Teuerung, die sich im Wirtschaftsabschwung von selbst erledigt. Doch erkläre das Politikern, die das Wort Ökonomie für die Pest halten, weil alleine seine Aussprache in Gegenwart von Wählern Stimmen kosten kann.
Dass einer der klügsten Köpfe, der Ex-Verfassungsrichter Karl Korinek, angewidert von der Abstimmungsorgie im Parlament aus dem Universitätsrat ausscheidet - wen kümmert es?

Dass die Welt in ein tiefes Finanzloch lugt - wir lächeln es in den Fernsehdebatten weg. Dass demnächst wieder Beamtengewerkschafter Neugebauer die Schulen vor Reformen verteidigen könnte, der ÖGB, nachdem er die Bawag ruiniert hat und die seit zwei Jahren versprochene Reform am eigenen Leib schuldig bleibt, nun als Operateur an die Krankenkassen-Sanierung gelassen werden soll - auch das ist vielleicht verkraftbar.
Hauptsache, es bleibt alles so, wie es ist. Darum geht es bei dieser Wahl. Sie ist ausgerichtet auf jene Kerngruppen gewesen, die seit 40, 50, 60 Jahren so wählen, wie sie immer gewählt haben.
Noch einmal und erst recht, wenn sie Schüssel los ist, wird die SP nach vielleicht gewonnener Wahl der Illusion erliegen, dass sie als Darling der Älteren und Ärmeren mit einer reinen Wohlfühlpolitik und ohne Zumutungen dieses Jahrhundert überstehen kann. Mit einer Politik also, die darauf gründet, die Leute vor jener Verelendung zu schützen, die vorher von derselben Partei herbeigeredet worden ist. Denn Österreich ist nicht arm. Auch die Volkspartei kann ihrer inhaltlichen und personellen Erneuerung nicht ausweichen. Auf Dauer genügt es nicht, nur Nicht-Sozialismus zu betreiben. Das Kernlager -Bauern, Beamte - schrumpft. Die Städte liegen brach. Wie soll Linz gewonnen werden, wenn der Gipfel an hiesiger Wirtschaftspolitik in der Frage besteht, ob Linz eine Krippenausstellung benötigt? Auch das ist Volkspartei, man fasst es nicht.
Es geht also um die Kernfrage, wer zu Veränderung bereit ist - im ganzen Land und an sich selbst.

Wer angesichts der zur Wahl stehenden Kandidaten keine Aussicht auf eine solche Veränderung erkennen kann, dem bleibt folgende Einsicht:
Österreich ist ein 8-Millionen-Tropfen im EU-Meer der 500 Millionen. Das Notwendige wird uns aufgezwungen werden, egal, wer in Wien regiert. Und das ist gut so.

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