"KURIER"-Kommentar von Andrea Hodoschek: "Kraftakt notwendig"

Die EU wird bei der Regulierung des Finanzsystems viel Druck machen müssen.

Wien (OTS) - Freiwillig geht auf den Finanzmärkten gar nichts. Das ist eine der bitteren Lehren aus der Krise. Es waren die USA und auch Großbritannien, die in der Vergangenheit immer wieder Beschränkungen der wildgewordenen Finanzmärkte blockiert und die Freiwilligkeit gepredigt hatten. Dass die Selbstregulierungskraft der Finanzmärkte nicht funktioniert, bekommt nun die ganze Welt vorgeführt.
Während Europa mühsam und gegen die Klagen der eigenen Wirtschaft brav strengere Auflagen bei der Kreditvergabe durchsetzte, Stichwort Basel II, dachten die Amerikaner nicht daran, ihren Banken schärfere Eigenkapitalrichtlinien vorzuschreiben.
Die Rechnung dafür begleichen jetzt alle. Für die Verantwortungslosigkeit höchstbezahlter US-Banker und die Fahrlässigkeit der Regierung Bush müssen nicht nur die Steuerzahler der USA, sondern auch die Bürger Europas teuer bezahlen.
Jetzt beteuern zwar alle Regierungen die Notwendigkeit einer grundlegenden, weltweiten Neuordnung des Finanzsystems, aber ob diese effektiv gelingt, darf bezweifelt werden. Zu lange schon diskutieren die größten Industrieländer G7 und die EU darüber, ohne dass konkrete Taten gefolgt wären.
Um Europa unter einen Hut zu bringen, wird es viel Druck brauchen. Es gelingt ja nicht einmal im kleinen Österreich, hoch spekulative Börsengeschäfte einzuschränken. SPÖ und ÖVP schafften es diese Woche tatsächlich nicht, sich auf ein Verbot der sogenannten Leerverkäufe (Wetten auf fallende Kurse) zu einigen - und schoben sich gegenseitig die Schuld dafür zu.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER
Ressort Wirtschaft
Tel: 0043-1/52100-2638
wirtschaft@kurier.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0002