WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wir sitzen ganz schön in der Tinte - von Wolfgang Unterhuber

Die Krise erfordert eine handlungsfähige Politik

Wien (OTS) - Endlich. Heute und morgen noch. Dann ist der
Wahlkampf vorbei. Keine Angst. Das hier wird keine Analyse der vergangenen Wochen. Wenden wir uns lieber der Zukunft zu. So wie es Wirtschaftstreibende tun. Stellen wir uns also die Frage: Wie geht es mit dem Unternehmen Österreich nach dem Wahlsonntag weiter? Dazu ein Detail. SPÖ-Funktionäre und viele Vertreter der eher ÖVP-affinen Business Community verbindet derzeit eine, wenngleich aus unterschiedlichen Motiven heraus, gemeinsame Befürchtung: Dass die ÖVP nach einer schweren Schlappe den Gang in die Opposition antritt. Denn sollte die VP tatsächlich auf ein historisches Tief rutschen, wäre ihr das nicht einmal zu verdenken. Und die SP - das die Befürchtung der Genossen - stünde dann schön blöd da. Eine Rot-Grün-(Liberale) Minderheitsregierung mit Duldung der FPÖ oder des BZÖ: Das wäre die Alternative. "Opposition ist Mist", sagte einst der neue, alte SPD-Chef Franz Müntefering. Richtig. Aber im eben skizzierten Fall hätte die Volkspartei erste Reihe fußfrei etwas zu lachen. Und spätestens dann, wenn es dieses Konstrukt nach zehn, zwölf Monaten in die Luft sprengt, könnten die Schwarzen sagen: "Wir oder das Chaos."

So lange wollen die Wirtschaftstreibenden aber nicht warten. Sie befürchten dauerhafte politische Instabilität. Nun ist es so, dass die Wirtschaft hierzulande ja eine Zeitlang auch ohne Politik gut leben kann (was sie die vergangenen zwei Jahre bewiesen hat). Aber Österreich stehen unlustige Zeiten bevor. Die Finanz-und Konjunkturkrise erfordert wohl oder übel eine handlungsfähige Politik.

Eigentlich sonderbar: Wenn die Prognosen sich erfüllen, dann hängt die Stabilität der Republik nach dem Wahlsonntag also von jener Partei ab, die den stärksten Stimmenverlust einfährt. Das gilt auch für den Fall, dass die SPÖ wider Erwarten auf dem zweiten Platz landet. Nur dass die Roten nicht im Traum an Opposition denken. Das tut freilich auch bei der Volkspartei offiziell noch niemand. Politische Beobachter gehen daher wieder von einer Großen Koalition aus. Einem Pakt der "Loser" also. Das ist so, wie wenn zwei Unternehmen, die große Verluste einfahren, fusionieren, in der Hoffnung, dass dies Gewinn bringen möge. So weit haben wir es also gebracht. Aber dummerweise garantiert nur diese Variante stabile politische Verhältnisse. Eigentlich kann man da nur noch sagen: Wir sitzen ganz schön in der Tinte.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001