Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Österreich muss frieren"

Ausgabe vom 24. September 2008

Wien (OTS) - Massenelend, Hungersnöte und Winter ohne Heizung:
Diesen Eindruck muss jeder Gast aus fernen Ländern gewinnen, wenn er hört, was Österreichs Politiker derzeit so von sich geben.

Nur mit Mühe würde er hingegen jene Meldung finden, die klarmacht, dass den Österreichern in Wahrheit ihre Energierechnung völlig wurscht ist. Anders ist es nicht erklärbar, dass lediglich sieben Prozent aller Haushalte die fünf Minuten für einen Wechsel des Energie-Lieferanten investiert haben. Obwohl man sich dadurch in etwa jenen Betrag erspart, den die famose Mehrwertsteuersenkung wohl maximal einbringen würde. 93 Prozent ist es hingegen egal, dass sie mit überhöhten Stromrechnungen etwa auch Fußballvereine sponsern. Und zumindest indirekt etliche Parteien.

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Werner Faymann muss sich seines Sieges ja schon sehr sicher sein, wenn er bereits die schwarzen Ministerposten verteilt. Er ist sich dies aber wohl zu Recht, kann er sich doch voll auf ORF, "Österreich" und "Heute" verlassen, die jubelnd an seiner Seite marschieren, und vor allem auf die tägliche Schützenhilfe durch die Unwahrheiten und Manipulationen der "Krone". Sogar der sonst stets sehr SPÖ-freundliche Korrespondent der "Süddeutschen" empört sich heftig über Faymanns "Personenkult pur, Tag für Tag." Oder über Ingrid Thurnhers Diskussionsführung im Fernsehen.

Nicht einmal in den Journal-Beiträgen des ORF-Radios (welche die letzten Inseln journalistischer Objektivität inmitten gleichgeschaltener linker Agitatoren waren) wird Faymann noch auf seine "Krone"-Versumpfung angesprochen. Die Rechnung für die ORF-Schlagseite werden wir wohl alle bald in höheren Sehergebühren zu bezahlen haben. Und die "Krone" hat ja schon heftig kassiert.

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Aber man muss ja schon froh sein, dass Faymann Frau Schmied zu "seinem" Finanzminister machen will. Und nicht etwa den zuletzt häufig mit ihm auftretenden Hannes Androsch. Denn dessen Präsenz erinnert immer daran, welche tolle Einkommenssteuerreform möglich wäre, hätte er nicht die exzessive Schuldenmacherei eingeführt.

Unbegründet blieb bisher übrigens die Desavouierung für Finanzstaatssekretär Matznetter. Bedeutet diese etwa, dass Faymann einen Schuldigen für die Patzer beim Fünfpunkteplan gesucht hat?

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