"Ein vom Geist des Christentums durchtränktes Land"

Präsentation des Buches von Nuntius Farhat "Jesus liebt euch" im Grazer Priesterseminar - Bischof Kapellari: "Ein Nuntius, der immer auch Seelsorger war"

Graz, 19.9.08 (KAP) "Österreich ist durch und durch getränkt vom Geist des Christentums": Dies betonte der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat, am Donnerstagabend in seiner Dankansprache bei der Präsentation des Buches "Jesus liebt euch" im Barocksaal des Grazer Priesterseminars. Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari hatte zur Präsentation dieses im "Ingenium"-Verlag ("Styria"-Verlagsgruppe) erschienenen Buches eingeladen, das ausgewählte Reden und Predigten aus der Wiener Amtszeit von Erzbischof Farhat (2005-2008) dokumentiert.

Der Inhalt seiner Predigten schöpfe aus "lebendigen Begegnungen mit den Menschen Österreichs", sagte Erzbischof Farhat. Wörtlich betonte der Nuntius: "In Österreich und besonders auch in Wien begegnen einander unterschiedliche Auffassungen und Kulturen. Gerade auch in diesem spannungsgeladenen Kontext will ich meiner Überzeugung Ausdruck verleihen: Jesus Christus liebt euch".

Die katholische Kirche erkenne "selbstverständlich" die Trennung von Staat und Kirche an, sagte Farhat. Doch ließen sich christliche Grundsätze nicht einfach in die Privatsphäre abdrängen. Vor allem im deutschsprachigen Raum gebe es eine lange und gute Tradition der Kooperation von Staat und Kirche zum Wohl des Menschen und der Gesellschaft. Es seien die Prinzipien und Werte des christlichen Glaubens, die Gesellschaft und demokratische Kultur zutiefst geprägt haben und ihnen Gestalt geben. Die Suche nach Gott sei "das Fundament aller Kultur", wie Papst Benedikt XVI. vor wenigen Tagen in Paris gesagt habe.

Nie zuvor war das Thema der Religion so aktuell wie im heutigen Zeitgeschehen, unterstrich der Apostolische Nuntius. Es genüge, einen Blick in die Zeitungen zu werfen. Vor wenigen Tagen habe etwa der "Corriere della Sera" formuliert: "Gott hat Einzug in die Politik gehalten".

In diesem Zusammenhang ging Farhat - der aus dem Libanon stammt -auch auf das Verhältnis zum Islam ein. Er sei für einen "konstruktiven Dialog", der "in der Freiheit der Wahrheit" Unterschiede nicht wegredet, sondern voranschreitet im gegenseitigen Respekt füreinander. Daher erlaube er sich auch in seinem Buch, einige kritische Anfragen an den Islam zu stellen. Farhat: "Wir haben Respekt vor den Personen, die glauben; aber wir nützen unsere Freiheit, um Anfragen zu richten an das Fundament des Glaubens der Muslime".

Er wolle mit seinem Bekenntnis niemand vereinnahmen, betonte der Apostolische Nuntius, "wohl aber einen Glauben kundtun, der nicht Ideologie ist, sondern zutiefst mit einer Person verbunden". Denn Jesus Christus sei nicht eine abstrakte Idee, er sei vielmehr der menschgewordene Gott. Deshalb appelliere er auch an alle Christen:
"Wo immer ihr steht, gebt Zeugnis und seid stolz auf den Glauben, denn er gründet in der Dynamik der Person Jesu Christi".

Eingangs hatte Bischof Kapellari daran erinnert, dass Edmond Farhat in seiner kirchlichen Laufbahn - seit seiner Priesterweihe in Paris im Jahr 1959 - immer auf vielgestaltige Weise auch Seelsorger war. Die Stimme des Seelsorgers komme auch im Titel des Buches zum Ausdruck. Kapellari kündigte an, dass etliche österreichische Bischöfe "in nicht ferner Zeit" der Einladung des Nuntius in sein Heimatland, den Libanon, entsprechen werden.

Am Ende des "schönen und weisen Buches" stehe eine Homilie, die Erzbischof Farhat - damals noch Apostolischer Nuntius in der Türkei -am 10. April 2005 in Ankara im Gedenken an den damals eben verstorbenen Papst Johannes Paul II. gesprochen hatte. Kapellari: "Im Fragment dieses Textes spiegelte sich viel vom Ganzen Ihres Wirkens als besonders profilierter Apostolischer Nuntius. Ein solcher Nuntius muss ein frommer spiritueller Priester sein, aber auch ein Mann mit hoher Sensibilität für Politik und Kultur".

Der Superior von Mariazell, P. Karl Schauer, dankte dem Nuntius für den Stil, mit dem er der Kirche und Österreich diene. Erzbischof Farhat lade immer zum Dialog ein, er stärke die guten Ansätze, er sei offen für die verschiedenen Gruppierungen in der Kirche. Wörtlich meinte der Superior: "Wir können viel von Ihnen lernen, vor allem die große Weite, das große Gottvertrauen, den christlichen Humor, die christliche Gelassenheit, die orientalische Gastfreundschaft".

P. Schauer berichtete, dass ihm der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos schon einige Wochen vor dem Amtsantritt Farhats gesagt habe, der neue Nuntius werde den Katholiken in Österreich viel Freude bereiten. Abschließend sagte der Mariazeller Superior zu Erzbischof Farhat: "Bleiben Sie für uns immer ein guter Nuntius".

An dem Festakt im Grazer Priesterseminar nahmen zahlreiche Vertreter des kirchlichen, politischen und diplomatischen Lebens teil, unter ihnen der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng, die Weihbischöfe Franz Scharl (Wien) und Franz Lackner (Graz), der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Altbischof Herwig Sturm, der steirische Landeshauptmann Franz Voves und Landeshauptmannstellvertreter Hermann Schützenhöfer. Aus Slowenien, wo Erzbischof Farhat ebenfalls als Nuntius gewirkt hatte, waren Erzbischof Franc Kramberger (Maribor) und Diözesanbischof Anton Stres (Celje) anwesend. (ende)
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