"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "Angst ist immer ein schlechter Berater"

Der Befreiungsschlag in den USA ist zu wenig. Es geht um die Konjunktur.

Wien (OTS) - Schön, dass sich die Börsen über das Hunderte-Milliarden-Paket der US-Regierung freuen. Damit ist das US-Finanzsystem vor dem Zusammenbruch bewahrt worden. Und mit dem amerikanischen Banken wären - wegen der immensen Verflechtungen -auch in Europa und Asien die großen Institute in die Knie gegangen. Doch so unglaublich das Rettungspaket - ob der großen Zahl - anmutet:
Es genügt nicht. Wirkung wird dieses Paket nur dann zeigen, wenn vor allem in Europa ebenfalls Rettungsaktionen gestartet werden. Aber

nicht für das Banksystem, das viel stabiler dasteht als jenes der USA, sondern für die Konjunktur. Europa braucht ein stimulierendes Ankurbelungsprogramm für die

"reale Wirtschaft". Denn ein Schrumpfen der Wirtschaft hätte desaströse Auswirkungen. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, mit deutlich steigenden Arbeitslosenzahlen, sondern auch im Sozialsystem. Die Pensionen sind nur sicher, wenn möglichst viele Menschen Arbeit haben. Das Gesundheitssystem detto.
Wenn die heimische Regierung - übrigens als eine der ersten in Europa - von einem Konjunkturprogramm spricht, so ist dies richtig. Vor lauter Angst den Kopf in den Sand zu stecken, hat noch nie
geholfen.
Noch besser wäre es aber, wenn die SP und VP (ja, die beiden Parteien bilden immer noch eine Regierung) trotz Wahl das immense Problem gemeinsam angingen. Die getrennten Präsentationen der Vorschläge mögen wahltaktisch verständlich sein, wirtschaftspolitisch klug ist das nicht. Denn es brennt der Hut, wenngleich nicht so lichterloh wie in den USA.

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