Leichtfried: Bibel soll wieder stärker ins Blickfeld rücken

St. Pöltner Weihbischof vertritt die Österreichische Bischofskonferenz bei der Weltbischofssynode über die Bibel in Rom

St. Pölten, 16.0.08 (KAP) Die Bibel als "Anleitung zum Leben" soll wieder stärker ins Blickfeld der Kirche und jedes einzelnen Christen rücken. Das hat der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der niederösterreichischen Landeshauptstadt betont. Leichtfried vertritt die Österreichische Bischofskonferenz bei der Weltbischofssynode vom 5. bis 26. Oktober in Rom, die sich mit dem Thema "Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche" beschäftigt. Der Weihbischof ist in der Bischofskonferenz für die Bibelpastoral zuständig.

Die Bibel sei zwar "eines der meistverbreiteten Bücher", werde aber zu wenig gelesen, bedauerte Leichtfried. Dabei gebe die Bibel Zeugnis davon, "wie Gott zu den Menschen spricht und wie er mit uns in Beziehung treten will". Deswegen sei es wichtig, immer wieder in der Bibel zu lesen, "damit ich weiß, was Gott von mir will", hob der Weihbischof hervor.

Das Christentum sei aber "keine Buchreligion im engeren Sinn", präzisierte Leichtfried, da nicht ein Buch, sondern eine Person im Mittelpunkt des Glaubens steht: "Die Bibel steht nahe der Mitte, diese ist jedoch das Mensch gewordene Wort Gottes, Jesus Christus". Die Evangelien seien keine "Informationsschriften", sondern "Anleitung zum Leben", betonte der Weihbischof: "Die wichtigste Botschaft ist, dass Gott mich liebt – und dass dies mein Leben verändert".

Gegen fundamentalistische Lesart

Leichtfried warnte vor einem biblischen Fundamentalismus. Die Heilige Schrift sei "nicht eins zu eins Wort Gottes", auch dürften nicht persönliche Sichtweisen hineininterpretiert werden. Die historisch-kritische Methode der Exegese stelle vielmehr die Frage, "was der Autor uns sagen will". Dennoch gelte es, nicht bei der Exegese stehenzubleiben, hob Leichtfried hervor: "Die Bibel ist nicht für die Wissenschaft, sondern für das Leben geschrieben"."

Mit im Gepäck für die Synode in Rom hat Leichtfried rund 60 Anfragen und Eingaben aus dem kirchlichen Bereich. Darin würden "sowohl positive Erfahrungen als auch Enttäuschungen" im Umgang mit der Bibel zum Ausdruck gekommen, berichtete der Weihbischof. Einerseits gebe es zahlreiche persönliche Zeugnisse, wie die Bibel in verschiedenen Lebenssituationen geholfen habe. Auf der anderen Seite gebe es auch "das Erleben von Kirche in Differenz zum Wort Gottes". Zudem werde auch das Fehlen ausgebildeter Leiterinnen und Leiter von Bibelrunden bemängelt.

"Der Tisch des Wortes ist reich gedeckt, doch wird davon zu wenig gegessen", bedauerte Leichtfried, der auch die Bedeutung einer "guten biblischen Spiritualität" im Rahmen der Priesterausbildung unterstrich. Weihbischof Leichtfried ist auch Regens des St. Pöltner Priesterseminars.

Von der Synode, die nicht exegetisch oder liturgisch, sondern "pastoral, missionarisch und spirituell" ausgerichtet ist, erwartet sich Leichtfried eine Reihe von Anstößen. Es würden keine Beschlüsse gefasst, vielmehr gehe es um den "weltweiten Austausch von Erfahrungen und Anregungen". Papst Benedikt XVI. werde als "Hörender" die meiste Zeit anwesend sein. (forts.mgl.)
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