Sportstaatssekretär Lopatka: Spitzensport und aktive Zellen an der Basis gezielt fördern

"SPORT:DIALOG - Von Peking für London lernen" u.a. mit Ludwig Paischer

Wien (OTS) - =

"Der österreichische Sommersport muss ‚Von Peking für
London lernen’. Egal ob man das Glas als halbleer oder halbvoll ansieht, wir evaluieren derzeit mit den bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 vertretenen Verbänden in ‚Perspektivengesprächen’ die vergangenen Olympiade, um den Einsatz der Sport-Fördermittel, zu verbessern", betonte Sportstaatssekretär Dr. Reinhold Lopatka beim "SPORT:DIALOG" mit Silber-Medaillengewinner von Peking, Ludwig Paischer, im Haus des Sports. Lopatka setzt sich in seinem "10 Punkte Programm" für die Schaffung einer zentralen Spitzensport-Förderplattform mit sportwissenschaftlicher Evaluierung sowie für eine Konzentration der Spitzensport-struktur ein. "Österreich braucht eine weitere Professionalisierung im Spitzensport", betonte der Sportstaatssekretär. Es gelte, Parallelstrukturen aufzulösen, das Berufsbild Trainer und ein Berufssportgesetz umzusetzen sowie Sport und Wissenschaft enger miteinander zu vernetzen. "Die zweite zentrale Frage für die Zukunft eines erfolgreichen österreichischen Sports ist, wie begeistern wir unsere Kinder für Bewegung und Sport!" ****

Über diese Fragen diskutierte der Sportstaatssekretär in einer Expertenrunde mit ÖOC-Generalsekretär Dr. Heinz Jungwirth, BSO-Fachratsvorsitzendem Dr. Gottfried Forsthuber, Leistungsdiagnostiker Prof. Hans Holdaus und Trainer Prof. Gunnar Prokop. Zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele betonte Ludwig Paischer die Verbesserungen durch die Erhöhung der Bundes-Sportfördermittel: "Ich habe optimale Vorbereitungsbedingungen gehabt, alle Trainingslager und Projekte wurden gefördert. So konnte ich meine individuelles Umfeld besser und schlussendlich erfolgreich organisieren." ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth forderte in Hinblick auf die Olympischen Spiele in London 2012 eine bessere Koordination der Fachverbände und eine "deutlich" verbesserte Nachwuchsförderung. "Wir müssen unsere Kinder wieder zum Sport bringen, sonst sitzen wir bald in unseren super Büros und schnapsen, weil wir keine Sportler mehr zu betreuen haben." Das Durchschnittsalter der österreichischen Athlet/innen in Peking sei bereits bei 27 Jahren gelegen, "viele der erfolgreichen Sportler werden in London nicht mehr vertreten sein". Zu den hohen ÖOC-Limits für die Qualifikation verwies Jungwirth auf die "enorme Leistungssteigerung bei Olympischen Spielen", die sich auch in den Ergebnissen der internationalen Weltspitze in Peking gezeigt habe.

Gottfried Forsthuber, Fachratsvorsitzender der Österreichischen Bundes-Sportorganisa-tion (BSO), forderte von der Politik eine Unterstützung bei der Professionalisierung des Trainerwesens und eine Entbürokratisierung der Sportförderung. Zudem schlug er neue Förderinstrumentarien vor, um Nachwuchssportler/innen eine verstärkte Gelegenheit zur Teilnahme an internationalen Wettbewerben zu bieten. "Wir brauchen eine Änderung der Richtlinien, um die Beschickung von Wettkämpfen gezielt fördern zu können, damit sich unsere Athleten/innen laufend mit der Weltspitze messen können." Forsthuber betonte, dass die Frage der Förderung, eine "brennende, aber heikle" sei. "Eine gezielte Förderung einiger, weniger Sportarten schafft nur eine Mehrklassengesellschaft." Wichtiger sei Professionalisierung der Verbände sowie eine engere Zusammenarbeit mit der Sportmedizin und -wissenschaft.

Die Kritik an der ungenügenden Beachtung sportwissenschaftlicher Erkenntnisse durch die Fachverbände und Trainer wiederholte auch Hans Holdaus. "Wenn es Erkenntnisse gibt, sollte man auch verlangen können, dass sich die Funktionäre und Trainer an solche Gesetzmäßigkeiten auch halten", so der Leistungsdiagnostiker zu teilweise verspäteten Anreisen zu den Olympischen Spielen in Peking. "Da darf man sich nicht wundern, wenn man nicht voll fit ist." Er forderte zudem ein besseres Controlling der Steuergelder im Bereich des Spitzensports ein. "Wir müssen zuerst definieren, welche Leistungen wir überhaupt fördern wollen, und dann auch evaluieren." Auch Holdhaus sieht den Ansatz, bereits ab der Kindergartenzeit Bewegung zu fördern, als "Schlüssel zum Erfolg". "Österreich kann es sich als kleines Land nicht leisten, 59 Verbände zu fördern." Es braucht daher einen mutigen Schritt, "man muss sich ansehen, in welchen Sportarten wir Chancen haben und wie Australien vor den Spielen in Sydney gezielt einige wenige Sportarten fördern". Ein Projekt 2012 hielte er für zu kurzfristig, "wir müssen längerfristig bis 2032 vorausplanen, denn die Kinder von heute sind die Spitzensportler von Morgen", so Holdhaus.

Skeptischer gegenüber dieser Strategie äußerte sich Gunnar Prokop, der auf ähnliche, sich wiederholende Diskussionen in den vergangenen Jahren hinwies. Prokop, der als letzter Trainer eine Mannschaftssportart - Damenhandball Sydney 2000 - zu olympischen Sommerspielen führte, verlangt nach einer "politischen Entscheidung":
"Die Politik ist gefragt, wenn es um den Lehrstoff in den Schulen, die Ausbildung der Kindergarten- und Volksschulpädagogen/innen sowie um eine tägliche Sportstunde in ganztägigen Schulformen geht." Hier dürften aber nicht nur "Trendsportarten", sondern vor allem die Grundsportarten Turnen, Laufen, Schwimmen und Ballspiele gelehrt werden. Als ein Element der Förderung des Mannschaftssports urgierte er verbesserte Betreuungsangebote für Spitzensportlerinnen und -Sportler nach ihrem Schulabschluss und beim Berufseintritt. Als eine weitere Notwendigkeit für zukünftige Erfolge nannte Prokop die erleichterte Nutzung von Sportstätten für Vereine sowie eine verbesserte Trainerausbildung und deren sozialrechtliche Absicherung.

In seinem Schlussstatement bekräftigte auch Sportstaatssekretär die Notwendigkeit einer Reform der Trainerausbildung, wie sie nun an der Fachhochschule Wiener Neustadt mit dem Lehrgang "Training und Sport" erfolgt, sowie ein verbessertes und unabhängiges Controlling der Fördermittel im Sportbereich, das weder auf die Politik noch auf die Fachverbände Rücksicht nehmen müsse. Darüber hinaus sei die verbesserte Breitenförderung des Sportes sein zentrales Anliegen. "Seitens des Sportstaatssekretariats setzen wir im heurigen Schuljahr mit der bundesweiten Initiative ‚Bewegte Kinder’ die größte Bewegungs-Offensive in Kindergärten und Volksschulen. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der ganztägigen Betreuung in eine immer bedeutendere Rolle zukommt", so Lopatka. Zwei Millionen Euro stünden den neun Bundesländern aus dem Sport-Budget zur Verfügung. "Ich hoffe, das ist ein Ansporn für die Länder, selbst aktiv zu werden." Bei ganztägigen Betreuungsformen solle, so Lopatka, Sport verpflichtend sein. Dafür will er die Kooperation von Schulen und Vereinen fördern.

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