Silhavy: "Für Gewalt gibt es keine Rechtfertigung."

Neue Broschüre der Frauenministerin zu "Tradition und Gewalt an Frauen" und kostenlose Hotline unter der Telefonnummer 0800 20 20 11

Wien (OTS) - "Unter Berufung auf Tradition werden die Rechte der Frauen und ihre Gesundheit durch Genitalverstümmelung, Zwangsheirat oder Ehrenmord missachtet und gefährdet. Das ist massive Menschenrechtsverletzung und kann nicht einfach hingenommen werden", sagte Frauenministerin Heidrun Sihavy bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit Monika Pinterits von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien und Saida Stadler vom Verein Orient Express.

Die unterschiedlichen Formen von Gewalt seien nicht einer bestimmten Kultur oder Religion zuzuordnen. Auch in Österreich seien Frauen von Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und Ehrenmord bedroht. "Gewalt an Frauen ist ein Verbrechen und muss bekämpft werden, egal wo die Tat begangen wird", sagte Silhavy. Deshalb müssen Migrantinnen in Österreich in ihren Rechten gestärkt werden. "Vor allem durch ökonomische Unabhängigkeit können sich Frauen vor gewaltvollen Beziehungen schützen oder sich daraus befreien", betonte Silhavy.

Ganz wichtig seien Bewusstseinsbildung, sowie rasche und kostenlose Hilfe für akut Betroffene. Dringend notwendig sei die Einrichtung von Notwohnungen für Frauen, die von Zwangsheirat betroffen sind, die Umsetzung des bereits ausverhandelten Gewaltschutzgesetzes II und Information und Weiterbildung für Pädagogen und Pädagoginnen sowie für Gesundheitspersonal. Unerlässlich sei die Arbeit, die die verschiedenen Einrichtungen in diese Richtung leisten. Aus dem Frauenbudget sind diese deshalb 2008 mit 635.000 Euro gefördert worden.

Von weiblicher Genitalverstümmelung sind jedes Jahr weltweit drei Millionen Mädchen bedroht, 100 bis 140 Millionen Mädchen und Frauen sind genital verstümmelt. Die negativen physischen und psychischen Auswirkungen auf das Leben dieser Mädchen und Frauen ist enorm. Ehrenmord und Zwangsheirat sind ebenfalls Formen der Gewalt an Frauen, die auf patriarchalische Strukturen und ungleiche Machtverhältnisse zurück zu führen sind. In Österreich gibt es keine statistischen Zahlen dazu, aber allein in Wien sind laut Pinterits derzeit 35 Fälle von Zwangsheirat bekannt. Die Zahl der Hilfe Suchenden habe gerade was die Zwangsheirat betreffe in den letzten Jahren zugenommen, betonte auch Stadler. An Orient Express hätten sich von Jänner bis September 2008 insgesamt 44 Mädchen und Frauen um Hilfe gewandt, 2005 seien es noch insgesamt 26 gewesen.

"Die Gesetzeslage in Österreich ist klar, diese Formen von Gewalt sind unter Strafe gestellt", sagte Silhavy. Trotzdem gebe es traditionsbedingte Gewalt nach wie vor. Vor allem weil es vielfach an Bewusstsein und Sensibilität fehle.

Information sei unerlässlich und müsse verstärkt werden. Eine neue Broschüre und eine auf der Homepage des Frauenministeriums unter www.frauen.bka.gv.at abrufbare Studie sind nun erhältlich. Die Broschüre wird auf Bundes- und Landesebene über NGOs, Beratungsstellen für Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund verteilt werden.

Während der "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" wird zudem vom 5. bis 25. November im Frauenministerium die Wanderausstellung "Tatmotiv Ehre" präsentiert, die von der Organisation "Terre des femmes" konzipiert worden ist. Zielgruppe dafür sind Schülerinnen ab dem 14. Lebensjahr.

Damit Betroffene mit frauen- und migrantinnenspezifischen Anliegen rasch und unbürokratisch Hilfe bekommen können, wurde auch eine bundesweit kostenlose Hotline unter der Telefonnummer 0800 20 20 11 eingerichtet.

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