"Running horse" Export wechselt vom Galopp in den Trab

Konjunktur in Westeuropa und USA eingetrübt - Leitl: "Wir müssen daher im Export dorthin gehen, wo die Post abgeht." - 2008 5% Exportwachstum erwartet

Wien (PWK634) - "Die österreichischen Exporte wachsen heuer kontinuierlich weiter, allerdings etwas langsamer als in den vergangenen Jahren", sagte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl heute (Dienstag) anlässlich einer Pressekonferenz zur Export-Halbjahresbilanz. Leitl erwartet nach dem zehnprozentigen Exportwachstum im Vorjahr für heuer einen Anstieg der Ausfuhren von fünf Prozent "plus X". "Das "Running horse der österreichischen Wirtschaft, der Export, wechselt vom Galopp in den Trab", so Leitl. Dennoch liegt das Exportwachstum damit aber immer noch gut doppelt so hoch wie das BIP-Wachstum Österreichs, das heuer knapp über 2% erreichen dürfte.

Als Gründe nannte Leitl, dass "sich der internationale Konjunkturhimmel eingetrübt hat und vor allem in den westlichen Industrienationen, die immer noch rund die Hälfte der österreichischen Exporte aufnehmen, die BIP-Wachstumsraten zwischen 0,1% und 1,0% liegen." Das verlangsamte Wachstum in den Industrienationen hindere auch den Export an einem ungebremsten Wachstum. Dennoch sieht der WKÖ-Präsident keine Gefahr für eine weltweite Rezession, da das globale Wirtschaftswachstum bei rund 4% liege. Wachstumsmotoren seien dabei Ost- und Südosteuropa, die GUS-Staaten, der Nahe- und Mittlere Osten, sowie Asien generell und der Ferne Osten im Speziellen. Leitl: "Wir müssen daher im Export dorthin gehen, wo die Post abgeht."

Genau in diese Kerbe schlägt daher die Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ mit ihren Exportfördermaßnahmen, die für Regionen mit kräftiger Konjunktur sowie für wichtige Branchen forciert werden. Konkret hat die AWO schon heuer ihr Veranstaltungsprogramm für diese Regionen um 20% gesteigert und für nächstes Jahr wurden die ursprünglich geplanten 180 AWO-Veranstaltungen für diese Länder auf 220 aufgestockt. Zusätzlich fordert der WKÖ-Präsident, dass die künftige Bundesregierung die Exportförderinitiative "go international" auch nach dem Wahltermin im September fortsetzt. Dabei gehe es "nur" um jährlich 25 Millionen Euro an Fördergeldern durch die Bundesregierung für österreichische Unternehmen, die im Export tätig sein wollen oder schon sind und die sich in jedem Fall rechnen - schließlich ist jeder zweite Arbeitsplatz in Österreich direkt oder indirekt vom Export abhängig und Österreich verdient sechs von zehn Euro außerhalb seiner Landesgrenzen. Allein die Exportsteigerung des Vorjahres brachte dem Staat zusätzliche Steuereinnahmen von über Euro 3,5 Mrd. Euro. "Im Verhältnis zu den im Augenblick getätigten Wahlversprechen aller Parteien, sind diese 25 Millionen Euro eine Kleinigkeit", so Leitl. Die WKÖ selbst stellt für "go international" jährlich 75 Mio. Euro für den Export zur Verfügung.

Fest steht bereits heute, dass neben der ausreichenden Dotierung vor allem auch die Kontinuität von "go international" ein besonders wichtiger Faktor sein wird, um im Interesse der österreichischen Unternehmen eine Planungssicherheit zu schaffen, die die Effizienz und Nachhaltigkeit des Exportförderprogramms gewährleistet. In diesem Sinn muss eine nahtlose Fortführung der Initiative ab 1.4.2009 für die kommende Legislaturperiode angestrebt und demnach auch im Regierungsprogramm der neuen Bundesregierung festgeschrieben werden.

Walter Koren, Leiter der AWO, wies darauf hin, dass die AWO als Internationalisierungsagentur der österreichischen Wirtschaft alle österreichischen Unternehmen, die den Schritt über die Landesgrenzen hinaus wagen, unterstützt, egal in welche Weltregion es gehen soll. "Dennoch wird das Hauptaugenmerk unserer Fördermaßnahmen in unseren Regionalstrategien auf die von WKÖ-Präsident Leitl erwähnten Regionen gelegt, denn schließlich geht im Augenblick auch wirtschaftlich die Sonne im Osten auf und im Westen unter. Die Hochkonjunktur dieser Länder soll quasi über die Exporte wieder nach Österreich zurück geholt werden", so Koren.

So wurden die ost- und südosteuropäischen Länder schon früh von österreichischen Unternehmen entdeckt und nicht umsonst gehört Österreich in dieser Region zu den Top-Auslandsinvestoren. An ihrem "wirtschaftlichen Reiz" haben sie aber auch heute noch nichts verloren. Das zeigt sich am besten in den nach wie vor mindestens doppelt so hohen Wirtschaftswachstumszahlen im Vergleich zu Österreich. Koren: "Die AWO hat für diese Region die zusätzlichen Exportpotenziale für Österreich bis zum Jahr 2010 berechnet und die versprechen Gutes." Z.B. für Ungarn 584 Mio. Euro, für Slowenien 326 Mio. Euro, für Tschechien 773 Mio. Euro, für die Slowakei 490 Mio. Euro, Rumänien 427 Mio. Euro, für Polen 721 Mio. Euro und für die Türkei 367 Mio. Euro. Auch in Russland (809 Mio. Euro) und der Ukraine (220 Mio. Euro) gibt es für österreichische Unternehmen künftig noch viel zu holen, genauso wie im Nahen Osten sowie in Asien (als Beispiele für das Warenexportpotenzial bis 2010: VAE 235 Mio. Euro, Saudi Arabien 156 Mio. Euro, Indien 219 Mio. Euro, Singapur 137 Mio. Euro, Malaysia 95 Mio. Euro).

Zusätzlich will die AWO Unternehmen helfen, an Fördergelder und Projekte in so genannten Emerging Markets heran zu kommen. Die EU vergibt mit den sogenannten Drittstaatenprogrammen jährlich rund 12 Milliarden Euro (mit steigender Tendenz!) zur Förderung von Projekten und Hilfsprogrammen in Ländern außerhalb der Union. Hinzu kommen weitere rund 50 Milliarden Euro von internationalen Finanzierungsinstitutionen (IFIs) wie Weltbank, Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) sowie von regionalen Entwicklungsbanken. (BS)

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