Falter: Ariel Muzicant nennt Abu-Nidal Urteil eine "Sauerei"

Kultusgemeinde-Präsident: "Ich kann mich über die Blindheit der Richter nur noch ärgern"

Wien (OTS) - In der morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe der
Wiener Stadtzeitung "Falter" übt Ariel Muzicant, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, schwere Kritik an der Justiz. Angesprochen auf jenes erstinstanzliche Urteil, mit dem ein 6-Millionen Euro Konto der einst auch in Wien wütenden Abu-Nidal Gruppe (AN0) freigegeben wird, sagt Muzicant wörtlich: "Ich halte dieses Urteil für eine Sauerei. Damals wurden vor dem Tempel eine schwangere Frau und ein 86-jähriger Mann umgebracht. Deren Angehörige leben heute noch. Sie werden um ihren Schadenersatz geprellt".

Ein Gericht hatte kürzlich das einst von Terroristen der ANO angelegte Konto mit der Begründung freigegeben, die Terrortruppe habe sich aufgelöst und die Terroristen von einst seien nur "privat" unterwegs. Die Staatsanwaltschaft Wien jedoch geht davon aus, dass das in Wien gebunkerte Geld "unzweifelhaft" an Terroristen in Nahost gehen werde. Die Abu-Nidal-Gruppe ist für den Mord an Stadtrat Heinz Nittel, sowie für die Anschläge auf die Wiener Synagoge und den El-Al Schalter am Flughafen Schwechat verantwortlich. Muzicant verweist im "Falter" darauf, dass die Kultusgemeinde seit den Anschlägen durch die ANO in den 80er Jahren pro Jahr drei Millionen Euro für
die Bewachung jüdischer Einrichtungen zu tragen hat. "Das meiste müssen wir selbst bezahlen", so Muzicant. Der Präsident übt auch Kritik an einzelnen Richtern: "Ich kann mich über die Blindheit österreichischer Richter nur noch ärgern. Schon der Holocaust-Leugner David Irving wurde ja mit dem Argument vorzeitig entlassen, er werde sich bessern. Bereits im Flieger leugnete er wieder die Existenz von Gaskammern. Es würde mich nicht wundern, wenn das Abu-Nidal-Geld wieder zur Finanzierung des Terrors dient."

Muzicant übt auch Kritik am laufenden Wahlkampf: "Heute noch scheuen sich SPÖ und ÖVP davor, manche Kader der FPÖ als das zu bezeichnen, was sie sind: Kellernazis. Dabei haben viele FPÖ-Politiker den Holocaust und die Gaskammern geleugnet."

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