Wiener Geschichtsblätter 1/08 erinnern an "Elends"-Journalistin

Wien (OTS) - Leben und Werk der Schweizer Journalistin Else
Spiller (1881 - 1948) und ihr 1911 erschienenes Buch "Slums. Erlebnisse in den Schlammvierteln moderner Grosstädte" stehen im Mittelpunkt des Aufsatzes des Wiener Historikers Peter Payer, der über die Jahre mit diversen Studien über Hygiene, Lärm und Gerüche des Wiens der Jahrhundertwende bekannt geworden ist. Neben Max Winter und Emil Kläger, die ebenfalls im Fin de Siecle auf die rasant wachsende Armut und Wohnungsnot in der Millionen-Metropole Wien aufmerksam machten, zählt auch die heute in Vergessenheit geratene Spiller zu jenen Reportern, die zur damaligen Zeit das Interesse ihrer Leser auf die teils dramatischen sozialen Verhältnisse in den Großstädten zu lenken versuchte.

Im Unterschied zu den beiden Wiener Beispielen lernte Spiller das "Elend der Städte" - so ein damals oft und gern gebrauchter Begriff für die aufkommende Sozialreportage - via der im Londoner Whitechapel gegründeten Heilsarmee (1878) kennen. In der Schweiz betreute die schreibbegabte Spiller die PR der Heilsarmee-Dependance, 1909 wurde man auf sie aufgrund ihres Beststellers "Was ist, was will, was tut die Heilsarmee?" auch anderswo aufmerksam. Zeit ihres Lebens beschäftigte sich Spiller mit den Armutsphänomenen ihrer Zeit. Schönes Detail des Aufsatzes: Payer geht auch auf die ökonomisch erfolgreich eingesetzte "Restl-Verwertung" in Spillers Schaffen ein, also der Zusammenstellung bereits erschienener Artikel und Reportagen zwecks Erhöhung des eigenen Profits. Payers Aufsatz fasst weiters in knapper Form die um 1900 in vielen europäischen Städten beginnende Neugierde auf die dunklen Seiten der Städte zusammen, erinnert an die erstaunlich starke Rolle von sozial und schriftstellerisch wirkenden Frauen im Kampf gegen die Armut in den Städten, verabsäumt aber vielleicht etwas, die Aktualität dieser aufsuchenden Form der Reportage zu betonen, die sich ja auch heute wieder in der Berichterstattung über "prekäre Schichten" widerspiegelt.

Weitere Aufsätze der aktuellen Ausgabe der "Wiener Geschichtsblätter" beschäftigen sich mit "Ladislaus Pyrker und Piraterie in Nordafrika" (Walter sauer), mit "Charles-Joseph de Lignes Gärten in Wien" (Christian Hlavac) und mit dem Lebenslauf des Kupferstechers Johann Blaschke (Julia Papp).

Die Wiener Geschichtsblätter kosten pro Ausgabe Euro 7 im Buchhandel. Mitglieder des Vereins für Geschichte der Stadt Wien erhalten das Periodikum neben anderen Publikationen gegen einen Jahresbeitrag von 35 Euro kostenlos. Verlegt wird die renommierte Zeitschrift, die vierteljährlich erscheint, im LIT Verlag ( www.lit-verlag.at ) (Schluss) hch

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