Bartenstein: Das Maß aller Dinge ist und bleibt der Mensch

Wirtschaftsminister beim Europäischen Forum Alpbach zu "Konkurrenzdruck und Produktivitätspeitsche: Wo bleibt der Mensch?"

Alpbach (BMWA-OTS) - "Österreich ist in vielen Bereichen Spitze im europäischen Vergleich. Das gilt für die Beschäftigungsquote ebenso wie für die EU-weit viertniedrigste Arbeitslosenquote", sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein heute bei seiner Keynote beim Europäischen Forum Alpbach zur Frage "Konkurrenzdruck und Produktivitätspeitsche: Wo bleibt der Mensch?". Unser wichtigster Trumpf sei Österreichs Humankapital mit seinem Know-how, seiner Anpassungsfähigkeit und seiner Innovationskraft. Das sei der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und damit zu Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum.

Für Europa im Allgemeinen sichere eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit Wachstum und Beschäftigung, so der Minister weiter. Wenn Europa, in dem Österreich besonders stark von der Integration profitiert hat, von der weltweiten wirtschaftlichen Dynamik profitieren möchte, dann gehe das nur durch die Integration in die Weltwirtschaft. Europa müsse daher den begonnenen Strukturwandel fortsetzen und die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte, effizientere Formen der Unternehmensfinanzierung, schlanke Verwaltungen sowie Investitionen in Innovation und Bildung weiter ausbauen.

In Österreich hätten zahlreiche struktur-, steuer- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu einem Rekordwachstum, zu einer Rekordbeschäftigung und zu seit 30 Monaten sinkenden Arbeitslosenzahlen geführt. Das Ergebnis sei ein hoher Lebensstandard mit dem vierthöchsten BIP pro Kopf, eine hohe Beschäftigungsquote von 71,4 Prozent und eine Forschungsquote von 2,63 Prozent. Bei der Einkommensverteilung und der Armutsgefährdung liege Österreich besser als der EU-Schnitt.

Europa hat gelernt, mit dem starken Euro zu leben

Bartenstein zur Belastung der europäischen Außenwirtschaft durch den starken Euro: Europa habe gelernt mit einem starken Euro zu leben. Zur Aufrechterhaltung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit waren Unternehmen gezwungen, ihre Produktivität zu steigern, und haben damit ihre Hausaufgaben gemacht. Vor dem Hintergrund einer sich eintrübenden Konjunktur - ausgelöst durch die Probleme an den US-Finanzmärkten, den hohen Rohstoffpreisen und damit auch der Rückkehr des Inflationsgespenstes - stehe nun aber auch Österreich vor neuen Herausforderungen. "Hier braucht es einen Teuerungsausgleich wo es wirklich notwendig ist. Was es nicht braucht, sind fragwürdige und nicht durchdachte Pakete, mit denen die Steuerreform und damit die Entlastung des Mittelstandes verspielt würden".

Als eine der wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt könne und wolle sich Österreich hinsichtlich der Arbeitskosten selbstverständlich nicht mit klassischen Billiglohnländern aus Asien und Osteuropa messen. Der Schlüssel zur Erhöhung von Wachstum und Beschäftigung sei die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Im Zuge des weltwirtschaftlichen Strukturwandels seien einige Branchen unter Konkurrenzdruck geraten, doch entstehen etwa in humankapital- und technologieintensiven Branchen neue Absatzmärkte. Diese Entwicklung fördere die Konzentration auf Hochtechnologiesektoren, Österreichs Forschungsquote steige ständig (heuer auf 2,63 Prozent), der Anteil der Hochschulabsolventen habe sich erhöht und es werden mehr hochwertige Produkte exportiert.

Wo bleibt der Mensch?

Gerade in Ländern mit stark ausgeprägten sozialpartnerschaftlichen Strukturen stelle sich die Frage, ob "Produktivitätspeitsche" eine passende Formulierung sei. Die Anforderungen und damit Herausforderungen an die Menschen haben sich in den vergangenen Jahren aufgrund des technischen Fortschritts sicherlich erhöht, aber man dürfe nicht vergessen, dass auch vieles einfacher und besser sowie angenehmer geworden sei. Österreichs sozialpartnerschaftliches Konsenssystem, geringste durchschnittliche Streikdauer in der EU und die hohe soziale Stabilität sichern den Rahmen für unternehmerische Aktivitäten.

"Zu den wichtigsten Grundlagen für Wirtschaftswachstum gehören daher die Arbeitskräfte mit ihrem Know-how, ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrer Innovationskraft", führte Bartenstein weiter aus. Konkurrenzdruck und Wettbewerb dürfen im Übrigen nicht zu Lasten der Gesellschaft gehen: Faire Rahmenbedingungen und Spielregeln sind Voraussetzungen, damit auch die Frage nach Gerechtigkeit beantwortet werden könne.

Österreich gebe hier mit dem "Flexicurity"-Ansatz - eine neue Balance zwischen Flexibilität und Mehr an sozialer Sicherheit - ein gutes Beispiel: Die Wettbewerbsfähigkeit werde über einen Mix aus Sicherheit, Qualifikation, Mitbestimmung, Zufriedenheit und Motivation gefördert. So könne das europäische Lebensmodell mit seinem Bekenntnis zu sozialem Zusammenhalt und Solidarität gesichert werden. Wichtiges Ziel: "Wir wollen sichere Arbeit und gute Arbeit für unsere Arbeitnehmer", so der Arbeitsminister.

Als "Schlüssel zu einer nachhaltigen, ausbalancierten Entwicklung von Unternehmensgewinnen und Lohneinkommen" trat Bartenstein weiters für einen Ausbau der Mitarbeiterbeteiligung ein, die in Österreich mit sechs Prozent noch nicht sehr weit verbreitet ist. Eine intelligente Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmenserfolg sei eine Win-Win-Situation für alle, sie könne einen Beitrag zu mehr Verteilungsgerechtigkeit leisten und damit zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft insgesamt beitragen. Gleichzeitig könne eine Mitarbeiterbeteiligung "Zusätzlichkeit" für die Arbeitnehmer bedeuten - also wie die "Butter aufs Brot". Für die Arbeitgeber müsse es unterdessen freiwillig sein. Um dieses Instrument zu forcieren schlägt der Wirtschaftsminister vor, dass bei Kapitalbeteiligungen der Steuerfreibetrag von derzeit 1460 Euro verdoppelt und bei Erfolgbeteiligungen ein Steuerfreibetrag eingeführt werden soll.

"Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsqualität ist Corporate Social Responsibility, die ergänzend zu Rechtsvorschriften, Kollektivverhandlungen und der Überwachung von Arbeitsbedingungen eine große Rolle spielt. Denn nur gute Arbeitsbedingungen halten Arbeitnehmer produktiv und länger in Beschäftigung", betonte Bartenstein abschließend. "Das Maß aller Dinge ist und bleibt der Mensch."

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