Küberl: Gesundheit hängt auch von Chancengerechtigkeit ab

Caritas-Präsident betont bei "Waldviertel Akademie" in Weitra, dass Krankheit und Pflegebedürftigkeit in ähnlicher Weise sozial abgesichert sein müssen

St. Pölten, 27.8.08 (KAP) Gesundheit hängt zwar von Eigenverantwortung, aber wesentlich auch von Chancengerechtigkeit ab:
Das unterstrich Caritas-Präsident Franz Küberl am Dienstagabend bei der "Waldviertel Akademie" in Weitra in einem Vortrag über "Gerechtigkeit in Gesundheit, Krankheit und Pflegebedürftigkeit". Gesundheit sei mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern von Faktoren wie Bildung, Einkommen, berufliche Position oder sozialer Status beeinflusst. "Arm zu sein oder von Armut bedroht zu sein - um wichtige Themen der Caritas anzusprechen - sind ernste Gesundheitsgefährdungen", erklärte Küberl.

Der Caritas-Chef bekannte sich zum Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit, wonach jeder Mensch die Hilfe bekommen soll, die er benötigt. Damit würden die christlichen Grundsätze der Nächstenliebe und des solidarischen Füreinanders am besten zum Ausdruck gebracht. Die Diskussion über Eigenverantwortung werde z.B. bei der Frage virulent, welche privaten Vorsorgen und Eigenleistungen für den Fall der Pflegebedürftigkeit zumutbar bzw. möglich sind. Die Motivation zu gesundheitsfördernden und - erhaltenden Verhaltensweisen könne man nicht verordnen, ebenso wenig das Engagement für die private Vorsorge, stellte der Caritas-Präsident fest.

Die Caritas vertrete den Standpunkt, dass man Menschen unabhängig vom eigenen Verschulden helfen muss: "Denn aus unserer Sicht kann es nicht gerecht sein, einem Menschen notwendige Hilfe vorzuenthalten". Sinnvoll ist es nach den Worten Küberls dagegen, die Menschen schon im Vorfeld darüber zu informieren, welche Verhaltensweisen Risiken für Gesundheit und Wohlbefinden bergen.

Die Gesundheitswissenschaften gehen laut Küberl davon aus, dass das individuelle, frei bestimmte Handeln zu etwa einem Viertel für den Gesundheitszustand eines Menschen verantwortlich ist. Die Lebensverhältnisse dagegen seien direkt und indirekt für mehr als die Hälfte des Gesundheitszustandes eines Menschen verantwortlich. "Offensichtlich ist also die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft gestaltet ist, ein ganz wesentliches Element", so Küberl.

Krankheit und Pflegebedürftigkeit ungleich behandelt

"Müssten nicht Krankheit und Pflegebedürftigkeit in ähnlicher Weise sozial abgesichert sein?", fragte Küberl. Das Krankheitsrisiko werde weitgehend von der Gesellschaft getragen, die Abdeckung von Betreuungs- und Pflegebedarf dagegen privatisiert. "Hier sind die Politik und letztlich wir alle als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger gefordert, eine Antwort darauf zu geben, welche Regeln im Umgang mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit wir für gerecht und angemessen halten", sagte der Caritas-Präsident.

In diesem Zusammenhang plädierte der Caritas-Präsident auch für eine lebensnahe Angehörigendebatte. Vier Fünftel der pflegebedürftigen Menschen würden in Österreich zuhause betreut, hier brauche es Unterstützungs- und Entlastungsangebote für die pflegenden Angehörigen, damit diese nicht selber krank würden.

Küberls Fazit: Um Gerechtigkeit müsse immer wieder gerungen werden. Sie könne nicht ein für alle Mal beschlossen werden. Bei den Themen Gesundheit, Krankheit und Pflegebedürftigkeit müsse jede und jeder einen eigenen Beitrag leisten, "aber niemand kann es alleine schaffen". Daher brauche es immer auch "einen kräftigen Schub der Solidarität", um entstehende Probleme zu bewältigen, so Küberl. (ende)
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