Weiter Ansturm auf die katholischen Privatschulen

70.000 Schülerinnen und Schüler besuchen katholische Schulen - Wiener Schulamtsleiterin Mann: "Mehr Nachfrage als wir befriedigen können"

Wien, 27.8.08 (KAP) Österreichweit werden im neuen Schuljahr über 70.000 Schülerinnen und Schüler eine katholische Privatschule besuchen. Alleine in Wien, wo es die meisten katholischen Privatschulen gibt, hat es in den vergangenen Jahren mit einem Anstieg der Schülerzahlen von 27.000 auf rund 30.000 einen Zuwachs um fast zehn Prozent gegeben, berichtete die Leiterin des Schulamts der Erzdiözese Wien, Hofrat Christine Mann, am Mittwoch im Gespräch mit "Kathpress". Es gebe mehr Nachfrage an Schulplätzen, als man befriedigen könne. "Hätten wir mehr Klassenräume, könnten wir auch noch mehr Schüler aufnehmen", so Christine Mann. Werbung sei keine notwendig, die Qualität der katholischen Privatschulen habe sich herumgesprochen.

Die Wiener Schulamtsleiterin räumte im Gespräch mit "Kathpress" auch mit dem weit verbreiteten Klischee auf, wonach sich nur die gesellschaftliche "upper class" die privaten Schulplätze leisten könne: "Hier hat sich viel getan: Wir geben große Ermäßigungen und haben auch Eltern aus anderen Schichten, die ganz einfach investieren, um ihren Kindern das einzig Sichere auf ihren Lebensweg mitzugeben, nämlich eine fundierte Bildung".

Christine Mann weist zudem auf die weltweite Bedeutung des katholischen Privatschulwesens hin. Insgesamt besuchen 46 Millionen Kinder auf allen Kontinenten katholische Privatschulen, die meist von Ordensgemeinschaften getragen werden: "Was die Orden in Westeuropa und Nordamerika an Schulgeld bekommen, investieren sie vielfach in ganz anderen Erdteilen, etwa in städtischen Elendsgebieten in Lateinamerika oder Afrika, wo die Kinder nicht nur zur Schule gehen, sondern auch aufgepäppelt werden. Von daher ist es gut angelegtes Geld und hat auch eine weltweite soziale Dimension".

"Neue Mittelschule"

Eine der Neuerungen im anlaufenden Schuljahr sind die Modellversuche zur "Neuen Mittelschule", die im Burgenland, Kärnten, Oberösterreich, Steiermark und Vorarlberg starten und an denen sich auch katholische Privatschulen beteiligen. So besteht etwa die "Modellregion Klagenfurt II" aus der Hauptschule St. Ursula und dem Bischöflichen Realgymnasium St. Ursula. In anderen Bundesländern starten die Modellversuche erst im nächsten Schuljahr. Insgesamt rechnet Christine Mann damit, dass sich dann österreichweit rund 10 bis 15 katholische Privatschulen beteiligen werden.

Unter den kirchlichen Schulerhaltern habe es von Anfang an den Konsens gegeben, dass man sich bei den Modellversuchen einbringen wird. "Wir haben nie von außen zugeschaut, wenn es Entwicklungen gegeben hat", so Christine Mann. Deshalb werde auch die "Neue Mittelschule" hinsichtlich ihrer Schülerfreundlichkeit, einer besseren Bildungsqualität und mehr Bildungsgerechtigkeit geprüft. "Unser Vorteil ist: Wenn ein Projekt an einer katholischen Schule gemacht wird, dann weiß man: Wir sind unverdächtige Zeugen, ob es stimmt oder nicht. Lässt es sich empirisch nachweisen, dass es hier ein Mehr an Qualität und ein Mehr an Gerechtigkeit gibt oder lässt es nicht nachweisen?"

Wichtig seien entsprechende Angebote in der Lehrerfortbildung. Christine Mann kündigte an, dass sich die Kirchlichen Pädagogischen Hochschulen hier besonders einbringen werden. Es könne sich nicht nur das Schulsystem entwickeln, auch die Lehrer müssten sich weiterbilden können: "Hier zu ermutigen und zu professionalisieren ist das Gebot der Stunde. Dem stellen wir uns und freuen uns auch, dass sehr viele Lehrerinnen und Lehrer das aufgreifen".

Pädagogik für Kleinkinder ist Herausforderung

Differenziert sieht die Wiener Schulamtsleiterin Vorschläge zu einem vorgezogenen Schuljahr für Fünfjährige. "Einerseits ist es in vielen Ländern selbstverständlich und es schadet den Kindern durchaus nicht, wenn man sie langsam in den Prozess des Lernens einführt, weil Kinder sehr neugierig sind und an sich sehr gerne lernen", so Christine Mann. Andererseits dürfen man nicht mit dem Konzept einer kurzgreifenden Bildung an diese Sache herangehen: "Dann kann man nur sagen: Schont unsere Kinder, lasst sie Kind sein".

Entscheidend sei, auf die besondere pädagogische Kompetenz für Kleinkinder zu achten. Je kleiner die Kinder, desto herausfordernder sei nämlich die Pädagogik, so Christine Mann. An der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien versucht man deshalb in Zusammenarbeit mit den Höheren Schulen für die Kindergartenpädagogik (Bakip) einen Studiengang für das Modell eines "Schnittstellenlehrers" zu entwickeln, der für die letzten beiden Kindergarten- und die ersten beiden Volksschuljahre ausgebildet ist.

Eltern stärker in die Pflicht nehmen

Für die Zukunft wünscht sich Christine Mann, dass Eltern im Rahmen der Entwicklung ihrer Kinder wieder stärker in die Pflicht genommen werden. "Alles, wo das Elternhaus auslässt, geht irgendwie an die Schule weiter. Das hat eine natürliche Grenze", betont die Leiterin des Schulamts der Erzdiözese Wien. Es sei unpopulär, aber trotzdem eine große Aufgabe der Politik, die Eltern wieder daran zu erinnern, dass sie nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten hätten und die ersten Verantwortungsträger für die Zukunft ihrer Kinder seien. "Wertevermittlung und soziales Lernen kann die Schule nur bruchstückhaft nachholen, aber nicht wirklich ersetzen", so Christine Mann.

O-Töne aus dem Gespräch mit Christine Mann sind unter "www.katholisch.at/o-toene" abrufbar. (ende)
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