Freizeitunfallstatistik 2007: Gefährdete Jugend?

Fast drei Viertel aller Unfälle 2007 passierten in den Bereichen Heim, Freizeit und Sport. Besonders Jugendliche und Senioren sind betroffen.

Wien (OTS) - Mehr als 800.000 Menschen verunfallten im Jahr 2007 österreichweit - 2.552 davon tödlich. Knapp zwei Drittel (65%) aller tödlichen Unfälle passierten in den Lebensbereichen Heim, Freizeit und Sport. Dabei schätzen viele gerade diese Bereiche im Vergleich zum Straßenverkehr als sicher ein. Doch: in den letzten fünf Jahren gab es hier bei den tödlichen Unfällen einen Anstieg um 18 Prozent. "Bei den tödlichen Verkehrs- und Arbeitsunfällen konnte in den vergangenen Jahren dank zahlreicher Maßnahmen und Programme ein bemerkenswerter Rückgang beobachtet werden. Für den Freizeitbereich trifft dies leider nicht zu", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV).

73 Prozent aller Unfälle sind Heim-, Freizeit-, Sportunfälle

Unfälle in den Bereichen Heim, Freizeit und Sport machten mit 73 Prozent rund drei Viertel (604.300) aller Unfälle im Jahr 2007 aus. 68 Prozent (408.000) davon passierten in den Bereichen Heim und Freizeit. Häufigste Unfallart stellen hier nach wie vor Stürze mit weit mehr als der Hälfte (62%) der Heim- und Freizeitunfälle dar. Beim Sport verletzten sich 2007 196.300 Menschen so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Etwa die Hälfte aller Sportunfälle (47%) verteilt sich auf drei Sportarten: Alpiner Schilauf (39.400), Fußball (31.100) und Radfahren (27.500, ohne Mountainbiken). Arbeitsunfälle sowie Unfälle in der Schule gab es im Jahr 2007 170.828. Gerade einmal sieben Prozent aller Unfälle entfallen auf den Verkehrsbereich, jedoch ist hier die Unfallschwere oft gravierend: Mehr als ein Viertel (27%) aller tödlichen Unfälle ereigneten sich im Straßenverkehr.

Junge Menschen besonders gefährdet

Mit einem Anteil von 46 Prozent der Todesfälle sind Unfälle die Todesursache Nummer eins in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen. Insgesamt starben im Jahr 2007 242 Jugendliche durch Unfälle. "Der Tod junger Menschen ist dabei besonders schmerzlich, denn er bedeutet den Verlust vieler Lebensjahre. Allein durch tödliche Unfälle dieser Altersgruppe gingen im Jahr 2007 rund 13.000 Lebensjahre verloren", weiß Thann. Bei jungen Menschen bedeutet das den Totalverlust der Erziehungsarbeit und Ausbildung, eine verhinderte Familiengründung und somit neben dem individuellen Leid auch einen hohen volkswirtschaftlichen Verlust. Junge Männer sind dabei stärker von tödlichen Unfällen betroffen: 81 Prozent der durch 15- bis 24-Jährige verlorenen Lebensjahre entfallen auf männliche Jugendliche. Sie sind risikofreudiger als junge Frauen und eher bereit Gefahren einzugehen.

Gefährliche Freizeit auch für Senioren

Betrachtet man die Hauptunfallursachen, so zeigt sich, dass 85 Prozent der Jugendlichen im Verkehr tödlich verunglückten, neun Prozent durch andere Unfälle wie z.B. Ertrinken oder Vergiftungen. Nur sechs Prozent der 15- bis 24-Jährigen verunglückten bei Stürzen tödlich. Ein umgekehrtes Bild zeigt sich bei Senioren ab 60 Jahren:
Knapp drei Viertel (72%) der tödlichen Unfälle dieser Altersgruppe sind auf Stürze zurückzuführen. "Stürze sind nach wie vor Unfallursache Nummer eins bei Senioren. Auch bei den nicht tödlichen Unfällen sind Stürze mit mehr als drei Viertel aller Unfälle die häufigste Unfallart - oftmals in der eigenen Wohnung", sagt Dr. Rupert Kisser, Bereichsleiter Heim, Freizeit & Sport im KfV. 22 Prozent der tödlich verunglückten Senioren verunfallten im Verkehr. Andere Unfälle machen lediglich sechs Prozent der tödlichen Unfälle von Senioren aus.

KfV fordert österreichweites Unfallpräventionsprogramm

Im Bereich der Verkehrs- und Arbeitsunfälle wird Unfallverhütung seit Jahrzehnten betrieben, ihr Erfolg wird an sinkenden Unfallzahlen sichtbar. Auch für die Bereiche Heim, Freizeit und Sport sind ähnlich wirksame Programme und Maßnahmen umzusetzen. Der Appell des KfV an die nächste Regierung lautet daher: Österreich braucht ein Unfallpräventionsprogramm mit klaren Zielen und Strategien. Denn Unfallverhütung ist Aufgabe der Gesundheitspolitik - neben den drei Säulen Behandlung, Rehabilitation und Pflege muss endlich die Prävention als tragende vierte Säule der Gesundheitspolitik ausgebaut werden. "Unfallprävention muss nicht nur ein Bestandteil, sondern eine Priorität der Gesundheitsförderung werden. Derzeit wird Unfallprävention systematisch ausgelassen. Damit wir langfristig eine Reduktion bei den Freizeitunfällen erreichen können, ist es notwendig, dass dem Vermeiden von Unfällen ein deutlich höherer Stellenwert zugeschrieben wird" fordert Thann.

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Elisabeth Gerstendorfer
Kuratorium für Verkehrssicherheit
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