Ausbildung und Rechtssicherheit entscheidend für Headquarterstandort Österreich

FIW-Studie über Österreichs Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen und als Standort für Headquarterfunktionen

Wien (OTS) - Die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal und das Ausbildungsniveau wurden neben der Rechtssicherheit in einer Befragung international orientierter Unternehmen als bedeutendste Standortfaktoren für internationale Headquarterfunktionen in Österreich genannt. Die Angaben zu vergangenen Veränderungen von internationalen Headquarterfunktionen in Österreich sind in Summe positiv. Dies geht aus der im Auftrag des Wirtschaftsministeriums im Rahmen des Forschungsschwerpunkts Internationale Wirtschaft (FIW) erstellen WIFO-Studie hervor.

Der Schwerpunkt der FIW-Studie "Österreichs Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen sowie als Standort für Headquarters-Funktionen" liegt in der Auswertung einer Befragung von rund 700 Unternehmen, von denen 245 den Fragebogen hinreichend ausgefüllt zurückgesandt haben. Neben einer Frage nach der Beschäftigungsentwicklung wurden die Bedeutung und die Qualität von Standortkriterien für internationale Headquarterfunktionen in Österreich sowie die Einschätzung vergangener und künftiger Entwicklungen erhoben. Dabei wurde zwischen drei Unternehmenstypen unterschieden: ausländische multinationale Unternehmen mit und ohne Headquarterfunktionen in Österreich sowie österreichische multinationale Unternehmen. In allen drei Gruppen berichtet die Mehrzahl der Unternehmen, dass ihre Beschäftigtenzahl in den vergangenen zehn Jahren gestiegen ist.

Zu den wichtigsten Standortfaktoren gehört die "Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal" vor der "Rechtssicherheit" und dem "Ausbildungsniveau". Als Empfehlung für eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik lässt sich daraus insbesondere für ein Hochlohnland wie Österreich die Aufgabe ableiten, weitere Verbesserungen im Qualifikationsbereich voranzutreiben.
In Österreich sehr gut bewertet werden Faktoren wie "Rechtssicherheit", "Lebensqualität" oder "Image des Standortes", aber auch der wichtige Standortfaktor "Ausbildungsniveau". Weniger gut werden die "Flexibilität des Arbeitsmarktes" und "Arbeitskosten" eingeschätzt.

Die Einführung der Gruppenbesteuerung dürfte den von der Wirtschaftspolitik gewünschten Beitrag zur Absicherung des Headquarterstandortes geleistet haben: Mehr als 70% der befragten Unternehmen, welche internationale Headquarterfunktionen in Österreich ausüben und die Gruppenbesteuerung bereits in Anspruch genommen haben oder eine Inanspruchnahme planen, geben an, dass diese zu einer Absicherung des bestehenden Headquarter beigetragen hat.

Im Vergleich mit einer Unternehmensbefragung aus dem Jahr 2004 werden Standortfaktoren wie "Unternehmensbesteuerung" oder "bürokratischer Aufwand zur Errichtung einer Zentrale" wesentlich besser beurteilt. Somit dürften die Anstrengungen der Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre, wie etwa die Senkung des Körperschaftsteuersatzes 2005 oder die Verringerung des Verwaltungsaufwands für Unternehmen begrüßt und anerkannt werden.

Ansiedelungen von Forschungs- und Entwicklungsfunktionen

Die Veränderungen internationaler Headquarterfunktionen in den vergangenen zehn Jahren werden insgesamt positiv gesehen. So geben 49% der international orientierten Unternehmen mit bestehenden oder früheren Headquarterfunktionen in Österreich an, für die Betreuung der 10 neuen EU-Länder entweder neue Headquarterfunktionen aufgebaut oder bestehende ausgebaut zu haben, während 15% eine Reduktion oder einen Entfall von Headquarterfunktionen für diese Region angeben. Nur ein Viertel der antwortenden Unternehmen will den Umfang der Headauarterfunktionen verändern. Hier unterscheidet sich die Vorgangsweise von österreichischen Konzernsitzen und Tochterunternehmen ausländischer Konzerne mit Headquarterfunktionen in Österreich: Letztere planen häufiger Headquarterfunktionen zu reduzieren oder aus Österreich abzusiedeln. Eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik sollte daher trotz der Erfolge der Vergangenheit neue Wettbewerbsvorteile auf- und ausbauen. Wenn der Vorteil der günstigen Startposition und der Marktnähe zu Osteuropa in Zukunft weniger wiegt, müssen höherwertige Standortvorteile dies wettmachen. Ein solcher neuer Wettbewerbsvorteil könnte z. B. durch die Unterstützung der Ansiedelung von Forschungs- und Entwicklungsfunktionen in Österreich geschaffen werden. Dies könnte die Wettbewerbsfähigkeit des Headquarterstandortes Österreich auch für die Zukunft sichern.

Die Unternehmensbefragung wurde in der FIW-Studie durch eine Analyse der Direktinvestitionen ergänzt. Demnach sind die Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in Österreich trotz der außerordentlich dynamischen Entwicklung (die Bestände haben sich zwischen 1990 und 2005 versiebenfacht) niedriger als in den Vergleichsländern. Gemessen am BIP betrugen die Direktinvestitionsbestände in Österreich im Jahr 2006 24,2%, im Durchschnitt der EU 25 waren es dagegen 38%.

Die Studie von Susanne Sieber "Österreichs Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen sowie als Standort für Headquarters-Funktionen" (FIW-Studie Nr. 021, 88 Seiten) wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit im Rahmen des Kompetenzzentrums FIW (Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft) erstellt und kann kostenlos von der FIW-Homepage heruntergeladen werden:
www.fiw.ac.at/fileadmin/Documents/Publikationen/fiwstudie21.pdf

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Susanne Sieber, Tel. (01) 798 26 01/223, Susanne.Sieber@wifo.ac

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