"Kleine Zeitung" Kommentar: "Arme Jugend! Diese Wahl kommt euch teuer zu stehen" (Von Johannes Kübeck)

Ausgabe vom 27.08.2008

Graz (OTS) - Wie der Nikolo mit einem Sack voller Geschenke tourt Werner Faymann durchs Land. Die Menschen gieren wegen der Teuerung nach Entlastung und der SPÖ-Vorsitzende bedient sie gönnerhaft aus seinem schier unerschöpflichen Sack. Faymann ist bei seinem Vorgehen zwar besonders ungeniert, aber auch fast alle anderen Wahlkämpfer schlüpfen gerade in die Rolle des Geschenkebringers.

Natürlich ist die Notwendigkeit unbestritten, dass die Öffentlichkeit vielen Menschen wegen der starken Teuerung jetzt helfen muss. Die Senkung der Mehrwertsteuer, die außertourliche Erhöhung der Pensionen, das valorisierte Pflegegeld, die gekappte Studiengebühr, die zusätzliche Familienbeihilfe und der Gratis-Kindergarten zielen auf die Masse der Österreicher, die mitten im Leben steht. Es ist klar, dass sie den Nutzen haben. Genauso klar ist, dass die Jungen höchstens indirekt profitieren, später aber sehr direkt als Steuerzahler dafür aufkommen müssen. Dieser Wahlkampf wird die Jugend einmal teuer zu stehen kommen. Das sagen Faymann und die meisten anderen Wahlkämpfer natürlich nicht.

Solche Wahlgeschenke sind eine heimtückische Falle für die Jugend. Erst heißt es, dass die Hilfe für die sozial Schwachen doch notwendig und gerecht sei. Unterschwellig wird suggeriert, jeder sei unsozial und handle unsolidarisch, wer das nicht von vornherein unterstützt. Wer dann aber Fragen nach der Finanzierung stellt, ist gleich im Verdacht, ein Egoist zu sein, die Generationen gegeneinander auszuspielen oder den Senioren ihren Lebensabend in sozialer Sicherheit zu missgönnen. An sich selber denken dürfen die Jungen offenbar nicht, das dürfen nur die Erwachsenen und die Senioren.

Es ist nicht so, dass alle Staatsausgaben nur noch für die künftigen Generationen fließen sollen. Es wäre schon viel getan, würden die Politiker mit dem Geld der Jungen nicht vornehmlich Sozialausgaben von heute finanzieren, sondern auch Investitionen für morgen, die Zinsen tragen. Im Bildungswesen oder beim Klimaschutz hinterlassen wir den nachfolgenden Generationen riesige Baustellen.

Was Faymann und andere Politiker in Sachen Wahlgeschenke machen, hat mit der Nikolo-Legende also nichts zu tun. Diese Sagenfigur beschenkt die Jugend - oder zumindest die Kinder -, das Geld kommt von den Eltern, Tanten und Onkeln. Die Geschenke der symbolisch als Nikolos verkleideten Wahlkämpfer gehen jedoch an die Erwachsenen - und die Jugend muss sie einmal zahlen.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001