Plassnik: "Sprache der Bedrohung nicht die Sprache der Zukunft"

Außenministerin bei Eröffnung der Konferenz "Prager Frühling" in der Diplomatischen Akademie

Wien (OTS) - "In Erinnerung an den mutigen Kampf der Tschechen und Slowaken um Freiheit Tag für Tag an diesem neuen Europa zu arbeiten, ist gemeinsamer Auftrag des 21. August 1968. Gerade heute, wo für uns allzu viel selbstverständlich geworden ist, müssen wir bewusst machen, dass noch vor 40 Jahren Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und eine offene Gesellschaft in unserer unmittelbaren Nachbarschaft und für die Hälfte unseres Kontinents erst eine ferne Hoffnung war", erklärte Außenministerin Ursula Plassnik anlässlich der heutigen Auftaktsveranstaltung zur Konferenz "Prager Frühling" in der Diplomatischen Akademie. An der Veranstaltung zum 40. Jahrestag der Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Panzer des Warschauer Pakts nahmen unter anderem Prof. Stefan Karner sowie Historiker aus Tschechien, der Slowakei, Russland und Deutschland sowie der ehemalige Außenminister der DDR, Markus Meckel, teil.

"Der Prager Frühling war eine der großen Wegmarken hin zur welthistorischen Wende. Nach Berlin 1953 und Ungarn 1956 sind der Prager Frühling, die Schlussakte von Helsinki und die Charta 77 die geistigen Grundlagen für die Wiedervereinigung unseres Kontinents", so die Ministerin weiter. "1968 hat die Kraftquellen des zukunftsgerichteten europäischen Selbstverständnisses bewusst gemacht: den Hunger nach Freiheit, Menschenrechten, Demokratie und Rechtstaatlichkeit. Letztlich hat die Kraft des europäischen Lebensmodells das kommunistische Unterdrückungssystem überwunden -das macht Mut. Auch heute, im geeinten Europa. Denn was das neue Europa mit all seiner Vielfalt im Innersten zusammenhält, ist genau diese gemeinsame Vorstellung davon, wie wir Europäer leben wollen."

"Der Prager Frühling und sein furchtbares Ende hat für uns eine starke und bleibende nachbarschaftliche Komponente", erklärte Plassnik, die daran erinnerte, dass damals rund 162.000 Menschen aus der Tschechoslowakei nach Österreich flüchteten, von denen 10.000 hier blieben. "Das Jahr 1968 ist Teil unserer gemeinsamen Geschichte und unserer spezifischen nachbarschaftlichen Erfahrung. Die spontane Hilfsbereitschaft und Solidarität der Österreicherinnen und Österreicher für unsere tschechischen und slowakischen Freunde ist bis heute in beiden Ländern unvergessen."

Plassnik: "40 Jahre nach der Niederschlagung des Prager Frühlings meinen manche, dass sich die Geschichte wiederholt. Ich kann ihnen dazu meine Sicht der Dinge sagen: Die Geschichte wiederholt sich nicht. Die Zeit der ideologischen Trennung der Welt in einen kommunistischen und einen westlichen Block ist endgültig überwunden."

"Vor dem Hintergrund von 1968 verstehen wir vielleicht besser als andere die Beklemmung unserer Nachbarn angesichts der aktuellen Ereignisse in Georgien", erklärte die Außenministerin. "Die dramatischen Entwicklungen haben uns die bittere Einsicht beschert, dass es auch in der Welt des Jahres 2008 möglich ist, dass ein Land, das Mitglied des Europarates ist, die Souveränität und territoriale Integrität eines anderen Mitgliedslandes des Europarates in Frage stellt und Teile dessen Staatsgebietes mit Waffengewalt besetzt. Gerade auch bei einem Anlass wie dem heutigen muss gesagt sein, dass Europa im Angesicht eines derartigen Vorgehens nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. Panzer können nicht das wesentliche Merkmal der Außenpolitik einer Zukunftsmacht sein. Die Sprache der Bedrohung kann nicht die Sprache der Zukunft sein."

Plassnik: "Gerade wir Österreicher bewundern und schätzen Russlands reiches geistiges Schaffen, seine Kultur und seine Menschen - die russische Seele und die russische Größe. Aber eines ist ebenso klar: wir wollen nie wieder Angst haben müssen vor Russland. Die Grundlage einer guten Partnerschaft ist der kostbare Rohstoff Vertrauen."

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