WirtschaftsBlatt-Kommentar: Garantie ohne langfristige Perspektive - von Esther Mitterstieler

Zu viel Garantie in der Ausbildung führt zu weniger Motivation

Wien (OTS) - Jetzt gibt es also wieder Horrormeldungen zum Thema Lehrstellen: Das Arbeitsmarktservice (AMS) spricht von 10.000 fehlenden Lehrstellen. Wie immer die Zahlen ausgelegt werden, zuallererst sei gesagt: Machen wir uns nichts vor: In einem WirtschaftsBlatt-Rundruf zeigen sich die Firmensprecher quer durch die Branchen überrascht von der nicht nachvollziehbaren Weltuntergangsstimmung. Unternehmen wie Voestalpine, dm, Spar oder Schoeller Bleckmann suchen geradezu händeringend nach Jugendlichen, die eine Lehrstelle antreten wollen.

Leider haben sich dabei einige unschöne Grundmuster herauskristallisiert: Österreichische Jugendliche sind ungern bereit, ihren Wohnort zu wechseln, um einen Job zu bekommen. Wenn sie eine Lehrstelle antreten, passiert es laut Angaben der ausbildenden Unternehmen leider nur zu häufig, dass die Jugendlichen sehr früh das Handtuch werfen. Das Grundproblem der Betriebe schlechthin aber ist die unzulängliche Ausbildung. Wenn ein oberösterreichischer Jugendlicher nicht weiß, dass Linz seine Landeshauptstadt ist, dann muss das alle Zuständigen auf den Plan rufen.

Kann es ein Wunder sein, dass Unternehmen sich schwer tun, mit schlecht ausgebildeten Lehrlingen zu arbeiten? Da hilft auch kein Blum-Bonus mehr, der Fördergelder für Unternehmen vorsieht, die ausbilden. Wer selbst Menschen ausbildet, weiß, wie aufwändig dies zum Teil ist. Und leider sind nicht alle für einen Job geeignet, den sie gerne machen würden.

Also: Schluss mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Und: Beginn einer echten Ausbildungsoffensive. Ausbildungsgarantie gut und schön: Wer arbeiten will, muss auch Durchhaltevermögen und Lust zum Lernen mitbringen. Wenn alles garantiert wird, mangelt es schnell an der Motivation. Daher ist es banal, den Unternehmen vorzuwerfen, sie bilden zu wenig Leute aus.

Überhaupt kommt einem wieder einmal Winston Churchill in den Sinn mit seinem Motto: Ich glaube nur jene Statistiken, die ich selber gefälscht habe. Keine Angst: Ich will niemandem unterstellen, die Zahlen gefälscht zu haben. In jahrelanger Beobachtung der Arbeitsmarktzahlen fällt allerdings auf, wie viel Interpretationsraum Zahlen zulassen können. Erstaunlich viel: Das AMS spricht von einer Lücke von 10.401 Lehrstellen.

Arbeitsstaatssekretärin Christine Marek liest die Zahlen anders: Die Zahl der Lehrsuchenden sei im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent gesunken. Egal wie man interpretiert: In der Grundausbildung liegt der Schlüssel zum Erfolg. Na dann, frei nach Helmut Qualtinger: In Linz beginnt’s.

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