WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Konjunktur ist, was wir daraus machen

Nur Pessimismus macht aus einer Flaute eine Rezession

Wien (OTS) - Wirtschaft hat viel mit Psychologie zu tun. Das gilt für spektakuläre Einzelerfolge wie jenen von Dietrich Mateschitz mit seinem Zaubertrank, der dank einer guten Marketingstrategie zumindest seinem Erfinder Flügel verleiht (siehe Interview auf Seite 2).

Noch viel mehr gilt das aber für das Auf und Ab der Konjunktur: Der private Konsum und die Investitionen sind die beiden wichtigsten Stützen der Wirtschaftsentwicklung, und beide hängen - abgesehen vom Vorhandensein liquider Mittel - vor allem davon ab, wie die handelnden Personen die künftige Situation einschätzen. Fürchten die Konsumenten, sich künftig weniger leisten zu können (etwa weil sich ihr Arbeitgeber keine Lohnerhöhungen leisten kann oder gar weil Arbeitslosigkeit droht), so werden sie zumindest vor dem Kauf langlebiger Konsumgüter zweimal überlegen, ehe sie ihr Erspartes ausgeben oder sich gar auf Schulden einlassen.

Und wenn die Unternehmen nicht damit rechnen, in nächster Zukunft mehr ihrer Produkte umsetzen zu können, dann werden sie auch die dafür nötigen Investitionen lieber noch einmal zurückstellen. Konsum und Investitionen machten im Vorjahr in Österreich gut 94 Prozent des BIP aus. Mehr oder weniger Optimismus der Konsumenten und Investoren machen da - bei nicht gerade berauschenden Aussichten der Weltkonjunktur - den Unterschied zwischen einer leichten Abkühlung der Konjunktur und einer veritablen Rezession aus.
Dabei haben wir - gerade in Europa - durchaus Grund zur Zuversicht:
Der Ölpreis hat seit seinen Rekordhochs vom Juli bereits mehr als 20 Prozent nachgegeben. Der Euro, dessen Härte die Exportwirtschaft behindert, immerhin schon fast acht Prozent. Die Ernten sind gut oder zumindest reichlich, sodass auch bei Lebensmitteln jedenfalls kein neuer Preisschub zu befürchten ist. Die Inflation sollte also im Juli ihren Höhepunkt überschritten haben (in Österreich ist sie da ja sogar schon um 0,1 Prozentpunkte gesunken).

Präsidentenwahlen bringen in den USA stets neue Zuversicht, sollte Barack Obama gewinnen, könnten zusätzlich neue Umweltgesetze einen Innovations- und Investitionsschub auslösen, der gerade der europäischen Wirtschaft zugute kommen müsste.
In unseren östlichen Nachbarstaaten geht das Wachstum ohnehin fast ungebrochen weiter - und damit die Nachfrage nach unseren Erzeugnissen.

Es ist unsere Entscheidung, ob wir jetzt Trübsal blasen oder mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Konjunktur ist, was wir daraus machen.

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