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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Faymann zieht der ÖVP davon" (Von Frank Staud)
Einzige echte Alternative zu einer großen Koalition scheint ein Bündnis von ÖVP, FPÖ und Dinkhauser. Ausgabe vom 16. August 2008
Innsbruck (OTS) - Noch sind es sechs Wochen bis zur
Nationalratswahl. Doch eine erste Zwischenbilanz lässt sich über die
Startphase der Auseinandersetzung um die Gunst der BürgerInnen
bereits ziehen. Die erste Runde geht klar an die SPÖ. Werner Faymann
ist es gelungen, die Negativstimmung gegenüber seiner Partei zu
bremsen. Denn sein Slogan "Genug gestritten" entspricht genau dem
Gefühl der Mehrheit der Menschen in Österreich. Zusätzlich schafft es
der neue SPÖ-Chef, mit alten Ressentiments aufzuräumen. Bisher galt
es als ungeschriebenes Gesetz, dass ein Vorschlag vom politischen
Mitbewerber postwendend abgelehnt wird. Faymann macht das Gegenteil.
Praktisch jeder Vorschlag der ÖVP wird aufgegriffen und gelobt. Egal,
ob bei Pflege, Kindergarten oder Familienbeihilfe. ÖVP-Obmann Wilhelm
Molterer wird von Faymann derzeit fast zu Tode umarmt. Dadurch
entsteht von außen der Eindruck, dass Rot und Schwarz so gut
zusammenarbeiten wie nie zuvor in dieser großen Koalition der
Streithanseln. Und Faymann, der sich noch dazu über eine kaum noch
erträgliche Hofberichterstattung der Kronen Zeitung freuen darf,
weiß, dass er in diesem Wahlkampf nur diese eine Trumpfkarte spielen
kann. Denn ein Blick auf die Wahlbörse von tt.com macht deutlich,
dass es für die SPÖ nach dem 28. September praktisch nur eine
Koalition mit der ÖVP geben kann. Und eine Neuauflage von Rot-Schwarz
scheint nur dann realistisch, wenn die SPÖ Platz 1 schafft. 6766
Internetuser beteiligen sich derzeit am TT-Wahltoto. SPÖ und ÖVP
liegen mit knapp 25 Prozent Kopf an Kopf. Platz 3 geht an die FPÖ mit
17, vor den Grünen mit 11,5, den Liberalen mit 7,5, dem BZÖ mit 6,6
und Dinkhauser mit 5,2 Prozent. Da die SPÖ eine Regierung mit der FPÖ
ausschließt, bräuchte sie für eine Koalition ohne ÖVP noch Grüne,
Liberale und Dinkhauser. Eine wenig wahrscheinliche Variante. Da
hätte die ÖVP mit FPÖ und Dinkhauser ein leichteres Spiel und könnte
eine bürgerliche Alternative versuchen. Doch dazu müssen die
Schwarzen schnell Fahrt aufnehmen. Denn der Start wurde vollkommen
verschlafen.
Rückfragehinweis:
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