"Kleine Zeitung" Kommentar: "Haiders Mogelpackung im Kampf um den Landeshauptmann" (Von Claus Albertani)

Ausgabe vom 15.8.2008

Graz (OTS) - Jörg Haider ist also wieder da. Jahrelang war er weg von der bundespolitischen Ebene, hatte Kärnten zum Hauptkampfgebiet erkoren. Erstmals seit 1999 tritt Haider wieder bei einer überregionalen Wahl an.

Er geht dabei ein hohes Risiko ein: Am Ende des Wahltags muss er sich messen lassen mit seinem direkten Konkurrenten Heinz-Christian Strache. Laut aktuellen Umfragen ist damit zu rechnen, dass die alte FPÖ rund dreimal so viele Stimmen haben wird wie das BZÖ.

Dass der Zeitpunkt kommt, wo die Stimmen ausgezählt sind, weiß Haider. Entsprechend vorsichtig legt er den Wahlkampf in dieser Hinsicht an: Nicht um die Stimmen des freiheitlichen Lagers will er buhlen, sondern der Kampf gegen Rot und Schwarz soll im Mittelpunkt stehen. So will er verhindern, dass er am Wahlabend als Verlierer im Kampf gegen Strache dasteht. Dass auch Haider - wie viele andere aus seiner Gesinnungsgemeinschaft - insgeheim hofft, später wieder einmal vereint auftreten zu können, war aus seiner vorsichtigen Wortwahl eindeutig abzuleiten.

Der Hauptgrund aber, weshalb Haider selbst wieder in den bundespolitischen Ring steigt, ist ein anderer: Das BZÖ hat keinen bekannten und unumstrittenen Kandidaten. Peter Westenthaler hat sich mit seiner (wenn auch nicht rechtskräftigen) Verurteilung selbst aus dem Ring geboxt. Ex-Minister Herbert Scheibner wäre eine Alternative gewesen, hätte aber im Wiener BZÖ wohl zu einer Parteispaltung geführt.

Das Aufbauen eines bisher unbekannten BZÖlers zum Spitzenkandidaten ist in der kurzen Wahlkampfzeit nicht möglich - vor allem aber nicht finanzierbar. Das weiß der politische Marketingexperte Haider und beißt deshalb selbst in den mehr als sauren Apfel.

Der seltsame Geschmack des Apfels stößt auch vielen anderen Österreichern sauer auf: Haider tritt bei einer Wahl an, bei der er nichts werden will. Er kandidiert für einen Sitz im Nationalrat und sagt gleich dazu, dass er ihn nicht annehmen und Landeshauptmann in Kärnten bleiben will. Hätte das je eine andere Partei gemacht, Haider wäre der Erste gewesen, der von einer Mogelpackung gesprochen hätte.

Seine Ausrede, er würde nur nach Wien gehen, um Bundeskanzler zu werden, deckt den zweiten Hauptgrund der jetzigen Kandidatur auf: Ein Wahlkampf für das BZÖ ist in Kärnten ein Wahlkampf für Jörg Haider. Und der will bei der Landtagswahl im März 2009 wieder zum Landeshauptmann gewählt werden. Dafür kann ihm ein fremdfinanzierter Zwischenwahlkampf nur recht sein.****

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