"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Einfach Wählerpflanz - einfach Jörg"

Haider geht es bei seiner Kandidatur um den Erhalt der Macht in Kärnten.

Wien (OTS) - Jetzt ist also offiziell, was schon seit Längerem feststeht. Jörg Haider ist wieder Spitzenkandidat im Bund. Um den "Wiener Saustall" auszumisten, aus "patriotischer Verpflichtung", um das "Leiden der Bevölkerung zu beenden". Seine Gegner seien SPÖ und ÖVP.
Putzige Ansagen des neuen Chefs einer Zwergerl-Partei. In Wahrheit muss sich Haider mit einem duellieren, mit dem er einst Seite an Seite gekämpft hat, mit einem, der ihn bewundert hat, mit einem, der ihn bis heute nachahmt - Heinz-Christian Strache.
Wie das Match im Dritten Lager ausgeht, ist bereits klar. Bei der Wahl 2006 haben die Blauen elf Prozent erreicht; nun könnten es laut Umfragen bis zu 20 Prozent werden. Die Orangen haben vor zwei Jahren mit Ach und Krach die Vier-Prozent-Hürde für den Einzug in den Nationalrat überwunden. Damals war der Frontmann zwar Peter Westenthaler, doch auch mit Haider wird das BZÖ keine Bäume ausreißen.
Der gebürtige Oberösterreicher ist in die Jahre gekommen. Die Zeit, als er als FPÖ-Obmann Rote und Schwarze vor sich hertrieb, seine Partei stetig zulegte, letztlich zweitstärkste Kraft im Land wurde, ist lange vorbei. Seine Rolle hat der um 19 Jahre jüngere Strache übernommen.
Um diesem Stimmen abzuluchsen, ist Haider nichts peinlich. Er nimmt jeden auf, der mit Strache gebrochen hat. Selbst der katholisch-nationale Ex-Freiheitliche Ewald Stadler, der wie kein anderer die Orangen mit Spott und Hohn bedachte, soll wieder mit von der Partie sein.
Dass das in den eigenen Reihen missfällt, weil das BZÖ 2005 gegründet wurde, um Leute vom Schlage Stadlers loszuwerden, nimmt Haider in Kauf. Wendig war er schon immer.
Auch "Einfach ehrlich" ist er heute noch. Obwohl Nummer 1, werde er nach dem 28. September nicht im Hohen Haus sitzen, ließ er gestern wissen. Schließlich hat er den Kärntnern versprochen, ihr Landeshauptmann zu bleiben - auch nach der Landtagswahl im nächsten Jahr. Kanzler-Kandidat sei er aber.
Einfach Wählerpflanz, einfach Jörg.
Was treibt Haider eigentlich dazu, sehenden Auges in eine Niederlage gegen seinen Ziehsohn Strache zu gehen? Sein Ego? Weil er’s doch noch einmal wissen will? Seine seit jeher unkalkulierbare Sprunghaftigkeit?
Es geht ihm um Machterhalt. Die Kandidatur im Bund dient dazu, die politische Bastion im Süden zu verteidigen. Es käme nicht gut, flöge das BZÖ kurz vor der Wahl in seiner Wahlheimat aus dem Parlament. Mit Haider hat das orange Bündnis, das außerhalb Kärntens de facto nicht existiert, die Chance, im Hohen Haus zu bleiben. Und Haider hat mit seinem Antritt im Bund praktischerweise gleich den Wahlkampf in seinem Land für das kommende Frühjahr eröffnet.
Einst wollte Jörg Haider Kanzler werden. Heute will er gerade noch seine Partei und damit seinen Landeshauptmann-Posten retten.
Alt gewordene Rebellen geben es billiger.

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