Wlodkowski: Hochwertige heimische Lebensmittel haben einen "Mehr-Wert"

Höchste Standards bei heimischen Lebensmitteln gibt es nicht zum Billigstpreis

Wien (OTS) - "Die kleinräumigen Strukturen der österreichischen Landwirtschaft sowie die hohen Umwelt- und Tierschutzstandards sind Grundlage für die hohe Qualität heimischer Lebensmittel. Dies wird auch von den Konsumenten geschätzt und daher sollte man mit Lebensmittel-Preisvergleichen, die weder Strukturen noch Standards berücksichtigen, heimische Verbraucher nicht weiter verunsichern. Hinzu kommt, dass der Anteil der Lebensmittel an der Inflation derzeit nur mehr ein Fünftel beträgt", erklärte heute Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, zu den jüngsten Meldungen über die im Vergleich zu Deutschland höheren Lebensmittelpreise in Österreich.

"Die von Konsumentenschutzseite vehement geforderten höheren Standards im Umwelt- und Tierschutz, die gentechnikfreie Produktion und die LKW-Maut in Österreich ziehen höhere Kosten in der heimischen Lebensmittelproduktion nach sich. Unsere Bauernfamilien bekennen sich zu diesen hohen Vorgaben an Standards und Qualität, diese Vorgaben können aber nicht ohne eine Abgeltung des erhöhten Aufwandes über den Produktpreis erfüllt werden", stellte Wlodkowski klar.

Hochwertige heimische Lebensmittel, kleine Produktionsstrukturen

Die österreichischen Konsumenten greifen viel mehr zu qualitativ hochwertigen Erzeugnissen als etwa die deutschen. Heimische Konsumenten haben beispielsweise öfter Bioprodukte in ihrem Einkaufswagen. Vor allem bei Milchprodukten greifen die Österreicher gerne zu Biowaren: 14,9% der Frischmilch, 9,7% des Fruchtjoghurts und 8,1% der Butter werden hierzulande in biologischer Qualität gekauft. In Deutschland sind dagegen nur 11,3% der gekauften Frischmilch, 2,6% des Fruchtjoghurts und 2,4% der Butter Bioprodukte.

Bei der Eierproduktion sind unterschiedliche Standards in Österreich und in Deutschland hervorzustreichen: In Österreich ist die Käfighaltung von Legehennen ab Jänner 2009 verboten. Im Gegensatz zu inländischen Legehennenhaltern gilt für ihre Kollegen in Deutschland dieses Verbot erst ab Jänner 2012. Der Lebensmittelhandel bietet in Österreich im Gegensatz zu Deutschland ausschließlich Eier aus alternativen Haltungsformen an, daraus erklärt sich auch der Preisunterschied.

Unterschiedliche Konsumgewohnheiten schlagen sich im Preis nieder

Die heimischen Konsumenten legen großen Wert auf die Frische ihrer Trinkmilch: Rund 60% werden als Frischmilch konsumiert. In Deutschland wird dagegen nur ein Viertel der Trinkmilch als Frischmilch getrunken, rund drei Viertel werden als Haltbarmilch verbraucht. "Diese unterschiedlichen Konsumgewohnheiten schlagen sich selbstverständlich auch in unterschiedlich hohen Ausgaben für Lebensmittel nieder - hochqualitative Frischmilch ist preislich nicht mit Haltbarmilch vergleichbar", gab der Präsident zu bedenken.

Hinzu kommt, dass sich die Größenstrukturen der Molkereien in Österreich und Deutschland deutlich unterscheiden. Die zehn größten deutschen Molkereien sind allesamt größer als die führende österreichische Molkerei. Aufgrund dieser Strukturunterschiede, die auch auf weitere Lebensmittelverarbeitungsbetriebe im Inland zutreffen, ergeben sich unterschiedliche Kostenstrukturen in der Lebensmittelverarbeitung.

"Unsere Milchbauern spielen in Sachen Qualität ganz vorne in der Europa-Liga, doch sind sie wegen der sehr kleinen Betriebsstrukturen im Wettbewerb benachteiligt. Milcherzeugung in Österreich gehört aufgrund der naturbedingten Nachteile EU-weit gesehen zu den teuren Produktionslagen. Nur ein fairer Erzeugerpreis macht es ihnen letztlich möglich, auch weiterhin Milchbauern zu bleiben und so die zahlreichen Funktionen im Sinne der Gesellschaft aufrechtzuerhalten", verwies Wlodkowski auf die Notwendigkeit für die im Vergleich teurere Produktion heimischer Milchbauern.

Gestiegene Betriebsmittelpreise, geringe Rohstoffkostenanteile

Neben den einzuhaltenden Qualitätsstandards sind es auch die gestiegenen Betriebsmittelpreise, die in der heimischen Landwirtschaft Kostensteigerungen verursachen. Dabei ist die Kosten-Preisschere in den vergangenen Jahren zu Lasten der bäuerlichen Produzenten immer größer geworden. Im Zeitraum der letzten 15 Jahre stieg der Verbraucherpreisindex um 34,5% und im selben Zeitraum haben sich die Preise für Nahrungsmittel um durchschnittlich 28,6%, die Preise für Diesel dagegen um 153,6% erhöht. Innerhalb des letzten Jahres sind die Preise für Diesel (+32%), Dünger (+63%) und Futtermittel (+56 %) geradezu explodiert, so der LK-Präsident.

In der Argumentation von Preissteigerungen bei Lebensmitteln müssten vielmehr die Fakten für sich sprechen. Demnach sei bei einem Großteil der verarbeiteten Lebensmittel mittlerweile der Anteil der Rohstoffkosten am Endprodukt sehr gering, sodass Energie-, Logistik-und Lohnkosten heute weit mehr Einfluss auf Lebensmittelpreise haben als die Preise agrarischer Rohstoffe. Preisschwankungen bei den Agrarrohstoffen könnten sich daher nicht in dem Ausmaß auf den Verbraucherpreis niederschlagen, wie dies in der Öffentlichkeit wiederholt versucht wird zu vermitteln, unterstrich Wlodkowski.

Partnerschaft ausbauen

"Die Konsumenten bevorzugen heimische Qualität, das haben sie sowohl in Umfragen als auch durch ihr Kaufverhalten bewiesen. Wer ihnen beispielsweise einzureden versucht, eine Milchpreissenkung wäre zu ihrem Vorteil, verkenne sowohl Größenordnung als auch Folgen eines solchen Schrittes. Schließlich würde eine Preissenkung um 10 Cent den Konsumenten jährlich nur etwa EUR 8,- bis 10,- bringen, aber andererseits den Milchbauern große Erlösausfälle bescheren. Es sollte jedem klar sein, dass unsere Bauern die vom Konsumenten gewünschte höchste Lebensmittelqualität nur dann garantieren können, wenn dieser Leistung auch eine entsprechende Gegenleistung in Form eines angemessenen bäuerlichen Erzeugerpreises gegenübersteht. Lebensmittel höchster Qualität aus heimischer Herkunft und unter den strengsten Umweltauflagen erzeugt, dürfen nicht als Billig-Lockartikel im Regal landen. Dagegen werden wir uns wehren, weil damit die Existenz tausender bäuerlicher Betriebe als auch Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich auf dem Spiel stehen", betonte Wlodkowski. (Schluss)

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