"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Dreikampf mit Explosivkraft" (Von Mario Zenhäusern)

Ausgabe vom 14. August 2008

Innsbruck (OTS) - Fünf Wochen vor den Nationalratswahlen ist von Wahlkampf wenig bis nichts zu spüren. Sämtliche Parteien haben in Tirol alle Hände voll damit zu tun, die nach dem anstrengenden Landtagswahlkampf angeschlagene Funktionärsebene entsprechend zu motivieren. Die ÖVP sieht sich darüber hinaus mit enttäuschten Stammwählern konfrontiert, die den Totalumbau der Landesregierung nicht verdaut haben. Fritz Dinkhausers Antreten bei den Nationalratswahlen tut ein Übriges zur Verschlechterung der Stimmung. Zieht er ins Parlament ein, dann auf Kosten der ÖVP. Dann werden sich Herwig van Staa und Günther Platter die Frage gefallen lassen müssen, warum sie den Rebellen nicht in die Regierung geholt haben. Das hätte erstens dem Wahlergebnis besser entsprochen und zweitens auch Dinkhausers bundespolitische Ambitionen gebremst. Auch die SPÖ will nicht so recht auf Touren kommen. In Tirol hat die Reihung der Kandidaten tiefe Gräben aufgerissen. Das schmerzt die Genossen umso mehr, als die Streitigkeiten rund um den unfreiwilligen Abschied von ÖGB-Chef Franz Reiter aus der Landespolitik noch nicht verdaut sind. Fritz Dinkhauser sucht sein Heil neuerdings in populistischen Thesen, bejaht die Homo-Ehe und bezeichnet den VP-Vorschlag nach Deutschkursen für Ausländer im Ausland als realitätsfremd. Damit wirft er konservative Werte über Bord - wohl um im direkten Duell mit dem Liberalen Forum und den Grünen zu punkten. Dieser Dreikampf wird das eigentlich Spannende am 28. September. Schaffen alle drei den Einzug in den Nationalrat und ist auch das BZÖ erfolgreich, dann sind Österreich italienische Verhältnisse mit drei bis vier Regierungsparteien sicher. Es sei denn, es bildet sich auch auf Bundesebene eine große Koalition der Verlierer.

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