"Kleine Zeitung" Kommentar: "Frau sein ist kein Wahlprogramm? Besser, als man hat gar keines" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 14.08.2008

Graz (OTS) - In gut einer Woche beginnen die TV-Duelle der Spitzenkandidaten. Eines kann man jetzt schon sagen: Es wird eine graue Angelegenheit - sakkotechnisch gesehen. Die einzige Frau, die in den zehn Sendungen zu Wort kommt, ist die Moderatorin. Nur das LIF tritt mit einer Spitzenkandidatin an. Mangels Nationalratsmandat ist Heide Schmidt bei den ORF-Duellen aber nicht dabei. Wäre es Frauen ein Anliegen, mehr von ihresgleichen in der ersten Reihe der Politik zu sehen? Wollen Frauen Frauen wählen?

Grundsätzlich gilt der alte Spruch der Feministinnen: Frau sein alleine ist kein Programm. Was nützt es einer kleinen Frau, wenn sie einer Geschlechtsgenossin ihre Stimme gibt, diese sich dann aber nicht für sie einsetzt? Die meisten Frauen verlangen von Politikerinnen aber ohnehin kein besonderes frauenpolitisches Engagement. Sie wollen eine Repräsentantin, ein Vorbild, die Aussicht, dass die Superfrau beweisen wird, dass sie mindestens so tüchtig ist wie ein Mann.

Oft kehrt sich dieser Effekt aber ins Gegenteil um. Jene Frauen, die es ganz nach oben geschafft haben, betonen gerne, dass sie dafür selbstverständlich keine Quoten gebraucht und auch nie Diskriminierung erfahren hätten. Dass sie zufällig weiblich seien, hätte bei ihrer Karriere so was von keine Rolle gespielt, dass es eine Beleidigung sei, überhaupt danach zu fragen. Das vermittelt denen, die nicht so erfolgreich sind: Selber schuld, habt euch halt nicht genug angestrengt.

Diese Argumentation vertreten vor allem konservative Politikerinnen. Dafür haben sie es in der rechten Reichshälfte viel früher viel weiter gebracht: Die erste Ministerin, die Erste im Nationalratspräsidium, die erste Nationalbankpräsidentin, sie alle kamen aus der ÖVP. Die erste Vizekanzlerin stellte mit Susanne Riess-Passer ausgerechnet die FPÖ. Glaubt man den Umfragen aus den Jahren 2000 bis 2002, war sie bei den Wählerinnen sehr beliebt. In der Praxis beweisen konnte sie das nie, denn sie war nie als Spitzenkandidatin nominiert. Auf die Frage, warum die SPÖ stets hinterher hinkte, hat ein roter Mandatar unlängst geantwortet: "Wir müssen uns nicht angstregen. Die Frauen wählen eh tendenziell linker." Danke, frotzeln können wir uns selber.

Als Entscheidungshilfe kann den Wählerinnen Analogie zur Quotenregel dienen: bei gleicher Qualifikation, gleichem politischen Talent und ähnlichem Programm im Zweifelsfall für die Frau. In einem Wahlkampf, in dem die Positionen gewechselt werden wie beim Tempelhüpfen, könnte das womöglich noch zum entscheidenden Kriterium werden.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001