WirtschaftsBlatt-Kommentar: Eine Win-Win-Situation hat auch ihre Tücken - von Wolfgang Unterhuber

Die Politik darf bei der Lösung des Problems durchaus mitdenken

Wien (OTS) - Sozialpläne sind momentan groß in Mode. Die Post macht einen und die Telekom Austria tut es auch. Der Grund: beide Unternehmen haben ein paar Tausend Leute zuviel. Bei der Telekom handelt es sich um den Festnetz-Bereich, wo nichts mehr zu holen ist, seit das Handy erfunden wurde. Und die Post muss sich auf die Voll-Liberalisierung der Briefzustellung 2011 vorbereiten. Derzeit macht sie damit noch ein Riesengeschäft, aber in drei Jahren wird es mit Sicherheit auch andere Anbieter in Österreich geben.

Der ursprüngliche Plan war ja ein anderer. Da es sich bei den Mitarbeitern, die abgebaut werden müssen, ja großteils um Beamte handelt, die man schlecht kündigen kann, sollte eine Art "Beamtenagentur" gegründet werden, in der diese Menschen für andere Jobs umgeschult werden sollten. Ein von Anfang an nicht sehr "erotischer" Plan, der vorerst vom Tisch ist, weil es dazu eine Regierung braucht, die das Beamtendienstrecht und das ÖIAG-Gesetz ändert, diese Regierung sich aber in die Luft gesprengt hat.

Jetzt also gibt es dafür Sozialpläne. Das klingt viel "erotischer". Erstens, weil darin das Wort "sozial" vorkommt und das Ganze auch nach "Plan" riecht. Außerdem ist das Ganze freiwillig. Nur wer gehen will, geht. Und zwar mit drei bis vier Jahresgagen im Gepäck. Die Unternehmen müssen zwar ein wenig in die Tasche greifen, aber alles in allem sieht so ein Sozialplan wie eine Win-Win-Situation aus.

Allerdings haben Sozialpläne auch ihre Tücken. Die erste Fallgrube:
Es könnte sein, dass die falschen Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Beispiel AUA. Auch dort gab es vor zwei Jahren einen Sozialplan, weil man Langstreckendestinationen reduzierte. Auch dort gab es drei bis vier Jahresgehälter auf die Hand, wenn man freiwillig ging. Viele Piloten, die auf Langstrecken ausgewiesene Experten waren, nahmen dieses Angebot dann auch dankend an und verabschiedeten sich zur Konkurrenz, wo sie gefragt waren. Lustig könnte nun werden, dass die AUA mit einem neuen Partner an Bord eventuell bald wieder Langstreckenexperten braucht.

Die zweite Fallgrube: Es gehen mit Sicherheit nie so viele Mitarbeiter, wie gehen sollten. Und was dann? Was macht man mit den vielen Beamten, die eigentlich bleiben und arbeiten wollen, für die es aber beim besten Willen keine Arbeit gibt? Post und Telekom hoffen, dass die Politik doch noch eine Lösung findet. Das wäre wünschenswert. Denn schließlich sind beide Betriebe teilstaatliche Unternehmen. Und da darf die neue Regierung durchaus mitdenken.

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