OÖGKK prognostiziert negatives Ergebnis für 2008

Kostentreiber Medikamente

Wien (OTS) - Mit 15. August legen die Krankenkassen ihre Jahresprognosen für das laufende Geschäftsjahr vor. Für die OÖGKK zeichnet sich nach aktuellen Daten ein negatives Ergebnis von -12,6 Millionen Euro ab. Das entspricht einem Dreiviertel Prozent der Gesamtausgaben, die mit 1.688,6 Millionen Euro eingeschätzt werden. 2007 konnte noch ein Plus von knapp 220.000 Euro erzielt werden. "Wir nehmen unsere Rolle als Controller im Gesundheitswesen sehr ernst und setzen alle Hebel in Bewegung, um ein ausgeglichenes Ergebnis zu schaffen. Heuer wird es sehr schwierig, weil wir derzeit zwar ein sattes Beitragsplus von 6,4 Prozent haben - gleichzeitig aber die Medikamentenkosten um 8,3 Prozent steigen", berichtet OÖGKK-Obmann Alois Stöger.

Rund ein Fünftel der gesamten OÖGKK-Aufwendungen gehen für Medikamente auf. Damit bilden die Heilmittelkosten - nach den gesetzlich vorgegebenen Zahlungen an die Spitäler für stationäre Behandlung (502,9 Millionen Euro 2008) - mit 338,5 Millionen Euro die zweitgrößte Einzelposition.

Enorme Dynamik bei Arzneiausgaben: In zehn Jahren fast verdoppelt

"Was uns zu schaffen macht, sind die enormen jährlichen Kostensteigerungen bei den Medikamenten. 2007 waren es plus 9,4 Prozent, heuer rechnen wir mit einer ähnlichen Steigerung. Von 1997 bis 2007 sind die Medikamentenkosten um 94 Prozent gestiegen, das ist fast eine Verdopplung", weist Alois Stöger auf die enorme Dynamik in diesem Bereich hin. Dabei seien diese Entwicklungen schon das Ergebnis sehr wirksamer Gegenmaßnahmen der OÖGKK.

OÖGKK: Politik muss Verantwortung übernehmen!

Die OÖGKK setzt - in enger Zusammenarbeit mit der oberösterreichischen Ärztekammer - eine breite Palette an Maßnahmen zur Steuerung der Medikamentenausgaben. Beispiele sind der Arzneidialog, das individuelle Feedback aller Vertragsärzte über ihr Behandlungsverhalten, laufende Information über behandlungsökonomische Themen und das Infozept. Dass diese Maßnahmen wirksam sind, lässt sich nicht nur aus Vergleichen mit anderen Krankenkassen ablesen, auch Rechnungshof und Politik sind sich einig in diesem Befund.

Alois Stöger sieht nun Regierung und Gesetzgebung am Zug: "Die Selbstverwaltung in der OÖ Gebietskrankenkasse hat Verantwortung übernommen und erfolgreich gewirtschaftet. Dort wo wir Handlungsmöglichkeiten haben, haben wir unsere Hausaufgaben mehr als vollständig erledigt. Es wird höchste Zeit, dass auch die Politik zum Arbeiten übergeht und in ihrem Bereich Handlungen setzt." Schließlich kann die OÖGKK nur beim Behandlungsverhalten des einzelnen Arztes ansetzen. Die großen finanziellen Hebel liegen hingegen beim Parlament, im Ministerium und beim Hauptverband. "Aber von dort kommt nichts außer netten Wünschen", ärgert sich der OÖGKK-Obmann.

Gründe für die Kostenexplosion: Demografie, mehr und teurere Medikamente

"Natürlich analysiert die OÖGKK alle finanziell wichtigen Trends sehr genau - an erster Stelle die Medikamentenkosten. Die drei wichtigsten Faktoren sind Menge, Preis und die Demografie", sagt Dr. Gerhard Mayr, Direktorstellvertreter der OÖGKK. Von 1997 bis 2007 stiegen die Kosten je Verordnung (nach Abzug der Rezeptgebühr) von 10,44 Euro auf 17,11 Euro, ein Plus von 63,8 Prozent. Die Zahl der Verordnungen stieg im gleichen Zeitraum von 10,4 auf 12,6 Millionen, also um 21,1 Prozent.

Auch die demografische Verschiebung in unserer Gesellschaft zeigt im Gesundheitssystem Folgen. Die durchschnittlichen Heilmittelkosten steigen mit dem Alter enorm an. Die höchsten Kosten finden sich bei der Gruppe der 81- bis 90-Jährigen mit 845,63 Euro pro Anspruchsberechtigtem im Jahr 2006.

"Die steigende Lebenserwartung bringt erfreulicher Weise auch einen Gewinn an gesunden, behinderungsfreien Lebensjahren. Das wird sich nach unseren aktuellen Analysen aber nicht dämpfend auf die Medikamenten-Kostendynamik auswirken."

Laufend kommen neue Medikamente auf den Markt - teils echte Innovationen, die für die Patienten erhebliche Vorteile mit sich bringen. "Wenn Krebspatienten ihre Chemotherapie zu Hause einnehmen können und keine Infusionen mehr brauchen, so ist das ein enormer Fortschritt. Allerdings verlagern sich hier gut fünf Millionen Euro von den Spitälern zu uns. Das werfe ich weder den Spitälern, noch dem Land vor. Es passt nur nicht zum viel zitierten Mythos, die Krankenkassen würden ihre Kosten in die Spitäler verlagern", betont der OÖGKK-Obmann.

Leider fällt der überwiegende Teil der neuen Medikamente eher in die Kategorie "Schein-Innovation" - das heißt höhere Preise, aber kein nachweisbarer Mehrnutzen für die Patienten. "Hier brauchen wir strengere Prüfungen, was in den Medikamentenkatalog der Krankenkassen kommt und was gleich draußen bleibt. Wir wollen keine Marketingschmähs auf Kosten der Beitragszahler, sondern moderne und wirksame Heilmittel für unsere Versicherten" fordert Alois Stöger.

Gemeinsame Anstrengung aller notwendig

"Gemeinsam mit den oö. Ärzten haben wir viel erreicht. Wir gehen auch verstärkt auf die Patienten zu, um ihre Akzeptanz für die gemeinsamen Steuerungsmaßnahmen, für einen sorgfältigeren Einsatz von Medikamenten zu gewinnen. Wir brauchen jetzt aber auch eine Politik, die ihre Hausaufgaben erledigt", betont Alois Stöger.

Der Nationalrat hat am 4. Dezember 2007 mit großer Mehrheit beschlossen, dass ab 2007 die Medikamentenkosten pro Jahr nur mehr um vier Prozent pro Jahr steigen dürfen. Sollte dies auf Basis von Verhandlungen zwischen Pharmaindustrie und Hauptverband nicht gelingen, so sollte die Gesundheitsministerin bis 1. Juli 2008 ein Paket an rechtlichen Maßnahmen vorlegen, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Alleine bei der OÖGKK ergibt jedes eingesparte Prozent bei den Medikamenten rund 3,1 Millionen Euro - auf das Jahr 2008 gerechnet also eine Einsparung von 13,3 Millionen Euro.

Alois Stöger: "Es gab einen klaren Auftrag. Passiert ist nichts." Die konkreten Forderungen und Vorschläge der OÖGKK lauten:

- Vollständiger Ersatz der Mehrwertsteuer auf Medikamente.

  • Härtere Prüfungen von Medikamenten im Hinblick auf Schein-Innovation ohne Patientennutzen bei der Aufnahme in den Erstattungskodex.
  • Konsequentere Nutzung der Preisregelungskompetenz bei der Aufnahme von Medikamenten in den Erstattungskodex.
  • Straffung der Handelskette von der Produktion bis zur Abgabe an die Patienten - Senkung der Handelsspanne.
  • Stärkere Einbeziehung der Spitäler in die Kostenverantwortung -vor allem bei der Entlassungsmedikation.
  • Überdenken der Honorargestaltung bei Apotheken. Neue Honorierungsformen könnten die Apotheken besser in die gemeinsame Kostenverantwortung einbinden.
  • Unterstützung des e-Rezepts, um Wechsel- und Nebenwirkungsprüfungen schon beim verordnenden Arzt und in der Apotheke zu ermöglichen.

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