3.700 Dienstleistungsunternehmen in der Grenzregion planen Markteinstieg in Osteuropa

Auch Kleinst- und Kleinbetriebe nutzen Chancen der Osterweiterung durch Entsendung von Arbeitskräften

Wien (OTS) - 3.700 Dienstleistungsunternehmen in der Grenzregion Österreichs zu den neuen EU-Ländern, die meisten davon Klein- und Kleinstbetriebe, planen in den nächsten Jahren den Einstieg in ostmitteleuropäische Märkte. Bereits jetzt sind viele Dienstleistungsunternehmen international tätig, mehr als die Hälfte davon auch in den neuen EU-Ländern. Dienstleistungen werden hauptsächlich über die Entsendung von Arbeitskräften erbracht. Die Osterweiterung wird jedoch nicht von allen positiv beurteilt. Mittelfristig befürchten die Unternehmen vor allem eine Zunahme des Konkurrenzdrucks.

Die geographische Nähe Österreichs zu den neuen EU-Ländern bietet nicht nur Banken und Versicherungen die Möglichkeit, von der Osterweiterung zu profitieren. In der Grenzregion zu den neuen EU-Ländern wollen auch Unternehmen, die "gebundene" Dienstleistungen erbringen (diese setzen räumliche Nähe zwischen Konsumenten und Produzenten voraus), diese Chancen vermehrt nutzen: Nach einer Hochrechnung des WIFO planen etwa 3.700 Unternehmen in den nächsten Jahren den Einstieg in die Märkte Ost-Mitteleuropas, weitere 1.100 wollen in diesen Ländern expandieren. Die meisten sind Kleinst- und Kleinbetriebe. Noch nicht in den neuen EU-Ländern tätige Unternehmen wollen dabei vor allem geographisch nahe Märkte erschließen, etwa in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien. Unternehmen, die in den neuen EU-Ländern bereits Erfahrung gesammelt haben, wollen hingegen auch in Länder expandieren, die über risikoreichere und ressourcenintensivere Marktbearbeitungsformen (Niederlassungen, Kooperationen) erschlossen werden müssen (z. B. Bulgarien und Rumänien).

Dies zeigt eine neue Studie des WIFO im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit finanzierten Forschungsschwerpunktes Internationale Wirtschaft (FIW). Grundlage ist eine in Kooperation mit Statistik Austria durchgeführte Befragung unter mehr als 800 österreichischen Dienstleistern in der Grenzregion zu den neuen EU-Ländern aus Branchen, in denen eine Dienstleistungserbringung durch Entsendung von Arbeitskräften möglich ist. Dazu zählen z. B. Teile des Bauwesens und der unternehmensnahen Dienstleistungen sowie eine Reihe weiterer Sektoren. Diese sind großteils klein- und kleinstbetrieblich strukturiert: Hochgerechnet weisen etwa 78% der Unternehmen weniger als 50 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von weniger als 10 Mio. Euro auf. Dennoch beschäftigten diese rund 41.000 Unternehmen in der Grenzregion 2006 1/2 Mio. Unselbständige und erzielten einen Umsatz von etwa 45 Mrd. Euro.

Bereits jetzt sind hochgerechnet 5.400 Dienstleistungsunternehmen (13% aller Unternehmen) auf Auslandsmärkten tätig, etwas mehr als die Hälfte (55%) auch in Osteuropa. Vor allem die Nachbarländer Ungarn, Slowakei, Slowenien und Tschechien werden als Absatzmärkte bearbeitet. Die international tätigen Kleinst- und Kleinunternehmen erwirtschafteten im Jahr 2006 in den neuen EU-Ländern einen Gesamtumsatz von etwa 190 Mio. Euro. Beinahe zwei Drittel (65%) erbringen Dienstleistungen in dieser Region über die Entsendung von Arbeitskräften von Österreich aus. Dies bietet sich vor allem für Kleinbetriebe an, da Auslandsmärkte auf diesem Weg mit relativ geringem Ressourceneinsatz bearbeitet werden können. Größere Unternehmen betreiben hingegen verstärkt Niederlassungen in den neuen EU-Ländern, etwa um unternehmensspezifische Wettbewerbsvorteile zu schützen.

Die Osterweiterung wird nicht von allen Dienstleistungsanbietern positiv eingeschätzt. 35% der Unternehmen in den untersuchten Branchen sind gegenwärtig noch durch Übergangsfristen für die Dienstleistungsfreiheit "geschützt". Etwa ein Fünftel der befragten Unternehmen erwartet daher künftig Nachteile, vor allem durch eine Verschärfung des Wettbewerbs. Davon werden Unternehmen besonders betroffen sein, die im Inland auf stagnierenden oder schrumpfenden Märkten tätig sind. Dieser verschärfte Wettbewerb kann jedoch auch Vorteile für Konsumenten bringen. Trotz dieser Befürchtungen plant etwa ein Drittel der befragten Unternehmen in den nächsten fünf Jahren keine Maßnahmen oder Strategien im Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung.

Die Studie von Klaus Nowotny und Gerhard Palme: Fokus Ostintegration: Grenzüberschreitende Dienstleistungserbringung in die neuen EU-Länder (FIW-Studie Nr. 006, 191 Seiten) wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit im Rahmen des Kompetenzzentrums FIW (Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft) erstellt und kann kostenlos von der FIW-Homepage heruntergeladen werden:
http://www.fiw.ac.at/fileadmin/Documents/Publikationen/fiwstudie6.pdf

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Klaus Nowotny, Tel. (01) 798 26 01/471, Klaus.Nowotny@wifo.ac.at

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