Malaysia: Neuerlich scharfer Religionskonflikt

Diskussion des Anwaltsverband konnte nach islamistischer Demonstration nicht stattfinden

Kuala Lumpur, 11.8.08 (KAP) Etwa 300 aufgehetzte islamistische Demonstranten haben am Samstag in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur die Abhaltung einer Konferenz zu einer umstrittenen religiösen Frage verhindert. Der Anwaltsverband wollte über die juristischen Folgen beraten, die der Religionswechsel eines Ehepartners für die Familie hat. Nach den Protesten verhinderte die Polizei das Zusammentreten der Tagungsteilnehmer.

Malaysische Regierungsmitglieder erklärten allen Ernstes, "das Land sei noch nicht reif für freihändige Gespräche über dieses Thema, das Malaysia spalten könne". Allerdings war auch den Regierungsmitgliedern bewusst, dass bei der Unabhängigkeitserklärung 1957 der Islam nur deshalb zur Staatsreligion Malaysias erklärt wurde, weil Vertreter der britischen Kolonialadministration aus sehr persönlichen Gründen zum Islam übergegangen waren. Malaysia hat bis heute keine islamische Bevölkerungsmehrheit.

Die Anwaltskammer wollte die Frage der Zuständigkeit weltlicher Gerichte in familienrechtlichen Fällen behandeln, in denen ein Partner in einer nicht-muslimischen Ehe zum Islam konvertiert ist. Die von der islamistischen veröffentlichten Meinung beeinflussten Politiker erklärten sich gegen eine öffentliche Debatte des Themas. Der sogenannte Verband der malaysischen Kadis und Muftis lehnte jede öffentliche Debatte über Religion ab und forderte die Anwaltskammer auf, das Forum abzusagen. Die Anwälte wollten aber an der öffentlichen Debatte festhalten.

In den vergangenen Jahren hatten sich weltliche Gerichte in verschiedenen Fällen für unzuständig erklärt, wenn einer der Partner während der Ehe zum Islam konvertiert war. Dabei ging es unter anderem um Bestattungsrituale. Islamische geistliche Behörden beschlagnahmten einige Leichen mit der Behauptung, der Verstorbene sei kurz vor seinem Tod ohne Wissen seiner Angehörigen zum Islam konvertiert. (ende)
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