Bundeskanzler Gusenbauer tief betroffen vom Ableben des Altbundeskanzlers Fred Sinowatz

"Ich verliere einen Freund"; "Fred Sinowatz war ein großer Sozialdemokrat, ein bedeutender Bundeskanzler der Zweiten Republik und hat unser aller Leben entscheidend geprägt"

Wien (OTS) - Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zeigte sich heute auf das Ableben des früheren Bundeskanzlers und Unterrichtsministers Fred Sinowatz tief betroffen: "Ich habe Fred Sinowatz, der das schwierige Amt der Kanzlerschaft von Bruno Kreisky übernommen hat, als Politiker und als Freund sehr geschätzt. Sein Tod bedeutet eine nicht zu schließende Lücke an Erfahrung, Klugheit und Menschlichkeit." Sinowatz, der nach zwölf Jahren als erfolgreicher Bundesminister für Unterricht und Kunst das Kanzleramt übernommen und drei Jahre eine Regierung geführt hatte, die vor schwersten Aufgaben stand, habe sich stets als einfühlsam und redlich erwiesen. Sein Ziel sei es gewesen, den Menschen des Landes zu dienen, den sozialen Fortschritt der Ära Kreisky weiter auszubauen und Österreich gerechter zu gestalten, so der Bundeskanzler in seiner Würdigung des politischen Lebens von Fred Sinowatz.****

Sinowatz gehöre zu jenen Politikern, die am Werdegang Österreichs zu einem modernen Staat entscheidend mitgewirkt haben. "Mit seiner zukunftsorientierten, erfolgreichen 12-jährigen Bildungspolitik wollte er allen Kindern die bestmögliche Ausbildung nach ihren Fähigkeiten ermöglichen und war bestrebt, soziale Bildungsbarrieren, auch zwischen Stadt und Land, abzubauen." Und wenn man sich, so Bundeskanzler Gusenbauer, die Herausforderungen ansehe, vor denen Sinowatz und sein Kabinett 1983 und in den Folgejahren standen, "kann man ermessen, wie sehr er auch in dieser Funktion ein Staatsmann blieb, der das Gemeinsame und den Ausgleich vor das Trennende stellte." Das Budget musste konsolidiert, das Staatsdefizit verringert, die Verstaatliche Industrie saniert werden. Dazu kamen heftige innenpolitische Debatten um das Kraftwerk Hainburg. "Letztlich war es das Verdienst von Kanzler Sinowatz, dass man auf die Anliegen der Umweltschützer eingehen konnte, parteiinterne Konflikte beigelegt wurden und der soziale Frieden erhalten blieb." Auch der ausgleichende Umgang mit den wiederkehrenden Schatten der Vergangenheit, als Österreich sich während des Waldheim-Wahlkampfes in zwei Lager zu spalten drohte, zeige die Größe dieses den Menschen und ihren Bedürfnissen verpflichteten, klugen Politikers. Dabei ist er, so der Bundeskanzler, "auch stets konsequent geblieben und hat sich nicht verbiegen lassen." Vielleicht sei er gerade deshalb in Zeiten eines aufkeimenden, johlenden Rechtspopulismus auch so gerne missverstanden worden. "Ich habe es immer als zutiefst ungerecht empfunden, wie unreflektiert ein angeblicher Sinowatz-Ausspruch wiedergegeben wurde. Tatsächlich lautet ja die fragliche Stelle aus seiner Regierungserklärung 1983, die auf die anstehenden Herausforderungen einging: 'Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert...'. Dass man sich darüber lächerlich machte und es zu seiner 'Trademark' zu stilisieren versuchte, war und ist absurd", sagt Bundeskanzler Gusenbauer.

Sein Rücktritt 1986 sowie die geordnete Übergabe an den Nachfolger Franz Vranitzky würden klar zeigen, dass es Sinowatz immer um das Staatsganze zu tun war. Einem modernen, sozial gerechten Österreich den Weg in die Zukunft zu weisen, sei ihm bis zuletzt ein Anliegen gewesen. Gerade deshalb habe er in den Folgejahren auch verstärkt für eine entschlossene europäische Sozialdemokratie plädiert, die sich zum Schutze der Menschen in diesem Land gegen die negativen Folgen der Globalisierung und des Neokonservativismus stemmen müsse. "Fred Sinowatz war ein großer Sozialdemokrat, ein bedeutender Bundeskanzler der Zweiten Republik und hat unser aller Leben entscheidend geprägt. Ich verliere einen Freund. Meine tiefe Anteilnahme gilt nun der Familie von Fred Sinowatz", so Bundeskanzler Alfred Gusenbauer abschließend.

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