WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Krampf mit dem Mangel an Arbeitskräften - von Esther Mitterstieler

Die "bösen Ausländer" sind ein ausgemachter Unfug

Wien (OTS) - D ie gute Nachricht zuerst: Es gibt Tausende Jobs,
die zu haben sind. Die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuß: Aber keiner geht hin. Ein WirtschaftsBlatt-Rundruf zeigt, dass vor allem Facharbeiter weiterhin Mangelware sind. Das hemmt das Wachstum bestimmter Branchen. Auch die Versicherer rufen laut nach frischen Arbeitskräften. Ganze 3000 Versicherungsberaterinnen oder -berater werden gesucht. Der Job ist zwar gut bezahlt, aber trotzdem will ihn keiner. Oder die Stahlbranche. Ein Hilfsarbeiter verdient zwischen 1800 und 2000 EUR netto pro Monat. Ist das nichts? Ich kenne wenig Leute, die ab ihrem ersten Arbeitstag so viel Geld nach Hause tragen. Nun: Die Arbeitsbedingungen sind sicher hart.

Das Erstaunliche aber ist die absolut unmobile Ader unserer Arbeitsuchenden. Da ist es einem Grazer zu weit, ins 85 Kilometer entfernte Mürztal zu pendeln. Er könnte ja auch eine Wohnung suchen. Hier trifft sich nun die graue Theorie mit der konkreten Realität:
Was dem Grazer oder Oststeirer zu weit ist, ist es einem Slowaken oder gar Türken noch lange nicht. Wenn Breitenfeld-Vorstand Erich Schneider von einer Ausländerquote zwischen 25 und 30 Prozent bei seinen Hilfsarbeitern spricht, dann wird es wohl wieder Stirnrunzeln in der Arbeiterkammer geben. Weil die "bösen" Ausländer sicher für weniger arbeiten, so die überlieferte Mär der Arbeiterkämmerer. Das ist ganz einfach Unfug. Die Wirtschaft braucht solche Arbeitskräfte wie einen Bissen Brot. Wenn sich hierzulande keiner bereit erklärt, solche Mühen für einen Job auf sich zu nehmen, wird es wohl erlaubt sein, als Ausländer hier zu arbeiten.

Das ist ein Teil der österreichischen Kultur, die man frei nach Noch-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer auch "Gesudere" nennen könnte. Da werden Familien ausgewiesen, die sich als vollkommen angepasst erwiesen haben und auch vom lokalen Bürgermeister verteidigt werden. Das ist "Gesudere" in Reinkultur. Menschen, die hier arbeiten und Steuern zahlen, schicken wir weg, weil wir sie nicht brauchen. Diese Mutmaßung ist falsch. Denken wir nur an die Vergreisung der Gesellschaft und den Erhalt unseres Pensionssystems. Ausgrenzung kann kein Weg sein, der in die Zukunft weist.

Schließlich sind auch viele Top-Manager von dieser rigiden kurzsichtigen Zuwanderungspolitik betroffen. Da ist es geradezu lächerlich, wenn ein Arbeits- und Wirtschaftsminister freudvoll die Erhöhung der Quotenzugänge für bestimmte Berufe verkünden darf. Quoten schützen vor der Realität nicht. Also: So schnell wie möglich weg damit.

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