WirtschaftsBlatt-Kommentar: Es gibt noch gute Nachrichten von der Konjunktur - von Esther Mitterstieler

Der schwierige Zugang zum Kapital ist noch immer Realität

Wien (OTS) - Eine journalistische Grundweisheit besagt: "Bad News are good News." Dann dreh’ ich das heute einmal um: "Good News are Good News." Seit Wochen wird gesudert, wie schlecht es uns nicht geht. Und wie ein Pünktchen auf dem "i" kommen jetzt auch noch Wahlen auf uns zu. Weltuntergangsstimmung also. Da trifft es sich gut, dass die Junge Wirtschaft in der Wirtschaftskammer bei einer Konjunktur-Umfrage unter 663 Mitgliedern endlich einmal ein paar gute Nachrichten auf den Tisch legt. So sind knapp 40 Prozent der Befragten überzeugt, dass das Wirtschaftsjahr 2008 für ihren Betrieb besser sein wird als das Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2008 waren noch 35,7 Prozent dieser Meinung. Also: Optimismus macht sich breit. Und kurzum: Eine Erklärung dafür, dass Österreich das viertreichste Land der Welt, eines mit den höchsten Pro-Kopf-Einkommen in der EU und so weiter und so fort ist. Der Hang der Jugend zum Optimismus ist besonders angenehm.

Da zeigte das jüngste Standortbarometer der Industriellenvereinigung in eine ganz andere Richtung. Resultat: Der Standort sei unter Druck. Schaut man aber genauer hin, zeigt sich auch hier, dass die Mitgliedsbetriebe mit lokalen Rahmenbedingungen durchaus zufrieden waren: Stichwort Budget und Einnahmensstruktur, Flexibilität der Arbeitszeit, Ausstattung mit Infrastruktur. Die negativen Seiten wie Umweltschutzkosten für die Industrie, Zinsniveau, Inflation und Energiekosten gehören zu den Bedingungen, die lokal, wenn überhaupt, dann nur teilweise beeinflussbar sind.

Was die Junge Wirtschaft aber sehr wohl ankreidet, ist der schwierige Zugang zum Kapital. Nach der Einführung der Eigenkapitalrichtlinien nach Basel II ist die Kreditfinanzierung für kleinere Unternehmen sehr schwierig geworden. Und Private Equity, ohnehin bisher hierzulande grundlos verpönt, ist immer noch ein fast schon eingegangenes Pflänzchen am österreichischen Kapitalmarkt. Dabei sind Private-Equity-Firmen an 500 Unternehmen österreichweit beteiligt -mit 30.000 Mitarbeitern und vier Milliarden Euro Umsatz.

Da würde es sich anbieten, Finanzierungsformen zu begünstigen oder zu erleichtern, damit die Unternehmen auch den Schwung mitnehmen können, den sie auszuüben vermögen. Nur dann kann auch die Investitionsbereitschaft verbessert werden. Das bringt wieder Wirtschaftswachstum. Und der Kreis schließt sich wieder.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001