"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Eine österreichische Lösung" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 01.08.2008

Wien (OTS) - Die AUA braucht einen starken Partner - je schneller, desto besser. Das war schon länger klar. Politische Illusionisten wollten die Öffentlichkeit aber glauben machen, dass es auch "alleine" geht. Der frühere Siemens-Manager Alfred Ötsch wurde nicht zuletzt deshalb 2006 zum Generaldirektor bestellt, weil er versprochen hat, für eine solche Lösung zu kämpfen.
"Die Karten müssen auf den Tisch", fordern SPÖ-Politiker jetzt als Bedingung für ihre Zustimmung zur Partnersuche. Recht haben sie -aber sie müssten nur die Augen aufmachen. Dann würden sie erkennen, was es geschlagen hat. Die Lufthansa hat diese Woche fürs erste Halbjahr einen Gewinn von 705 Millionen Euro bekannt gegeben; die AUA hat fast 50 Millionen Verlust eingeflogen. Das sagt alles.
Jetzt geht es ums Ganze. Entweder gelingt der Verkauf, oder die AUA spart auf Teufel komm raus, dünnt das Streckennetz aus und kündigt Mitarbeiter; oder sie erleidet ein Swissair-Schicksal. "Grounding" heißt das im Fachjargon und bedeutet nichts anderes als die Pleite. Das politische Hickhack um Partnersuche und Verkauf beweist deutlicher denn je eines: Die Politik muss raus. Einen derartigen Ballast samt Diskussionen über "Notverkauf" und dem weiteren Hinauszögern überlebenswichtiger Entscheidungen hält die AUA nicht mehr lange aus.
Für die österreichische Wirtschaft ist wichtig, dass die Flugverbindungen in den Osten aufrecht bleiben. "Wir würden darunter leiden, wenn die AUA das Streckennetz ausdünnt und neue Flugzeuge verkauft, die alten Krampen aber behält." Das sagt einer, der es als Vielflieger aus eigener Erfahrung wissen muss: Erste-Generaldirektor Andreas Treichl. Und fügt nach einer kurzen Nachdenkpause hinzu: "Wem die AUA gehört, ist dabei ziemlich egal."
Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Die "Wahrung österreichischer Interessen", mit der Finanz-Staatssekretär Christoph Matznetter seine Ablehnung eines raschen Verkaufs begründet, erfordert ganz im Gegenteil schnelle Entscheidungen. Die AUA in den Wahlkampf zu zerren und Entscheidungen zu verzögern, ist ein wirtschaftspolitisches Verbrechen. Wer täglich gut eine Viertelmillion Euro verbrennt, wie es die AUA derzeit tut, verliert wöchentlich an Wert.
Hannes Androsch hat (in einem "Standard"-Interview) zwar Recht:
Herschenken kann man die AUA auch nach der Wahl. Noch hat die Gesellschaft aber die Chance, als attraktiver Partner angesehen zu werden. Das ist die Voraussetzung, um einen guten Preis zu erzielen und Bedingungen für eine Übernahme zu stellen. Eine staatliche Sperrminorität von 25 Prozent muss angesichts der derzeitigen politischen Situation allerdings jeden Interessenten verschrecken. Das wäre dann tatsächlich eine typisch "österreichische Lösung". Manche Sozialdemokraten träumen offenbar davon. Wenn sie dann irgendwann aufwachen, könnte die AUA aber schon Geschichte sein und irgendein ausländischer Investor bedient sich billig aus der Konkursmasse. Eine österreichische Lösung eben.

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