WirtschaftsBlatt-Kommentar: Anleitung zum Rechtsbruch auf Österreichisch - von Robert Gillinger

Standortpolitik muss der AUA egal sein - sonst wartet der Kadi

Wien (OTS) - Jetzt ist es also offiziell. Ohne Partner wird die
AUA nicht mehr lange herumfliegen. Jetzt kommt das in Österreich so typische Aber: Der Standort Österreich darf darunter nicht leiden. Das ist sowohl von großen Teilen der Politik wie auch von Seiten der Wirtschaft zu hören. Gerade von der Politik ist das beinahe schon eine Anleitung zum Rechtsbruch, ist doch der Aufsichtsrat der AUA und natürlich auch der des Hauptaktionärs ÖIAG nicht ganz frei von politischen Farbenspielen. Der Druck auf einen politisch gefärbten Aufsichtsrat, im Sinne der Partei zu handeln, ist sicher gegeben. Was, wie ein Blick ins Aktiengesetz beweist, gefährlich wäre. Dort heißt es (Paragraf 100, Absatz 1): "Wer zu dem Zwecke, für sich oder einen anderen gesellschaftsfremde Sondervorteile zu erlangen, vorsätzlich unter Ausnutzung seines Einflusses auf die Gesellschaft ein Mitglied des Vorstandes oder des Aufsichtsrates dazu bestimmt, zum Schaden der Gesellschaft oder ihrer Aktionäre zu handeln, ist zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens zu verpflichten."

Standortpolitik gehört da wohl aus Sicht der Gesellschaft AUA bzw. ihrer Aktionäre genauso zu den gesellschaftsfremden Sondervorteilen wie irgendwelche Sorgen um den Flughafen Wien. Und wenn es für die AUA günstiger wäre, aus München nach Moskau zu fliegen denn aus Wien, dann muss sie das auch machen. Oder jene österreichischen Manager und Politiker, die das so gar nicht wollen (obwohl München für den Großteil Österreichs nicht weiter weg ist als Schwechat), sind bereit, einen "Heimatflughafen-Zuschlag" zu zahlen, der die Mehrkosten der AUA decken würde - aber da herrscht dann wohl Stille.

Liebe Einflüsterer: bitte das Aktiengesetz lesen. Wenn etwa die Lufthansa einfach deshalb nicht als Partner für die AUA in Frage kommt, da es Sorgen bezüglich der weiteren prosperierenden Entwicklung des Wiener Airports gibt, da die Deutschen mit den Flugdrehkreuzen Zürich und München zu Wien in Konkurrenz stehen, dann MUSS das jedem AUA-Vorstand oder -Aufsichtsrat völlig egal sein. Ihr könnt nicht immer Privatisierungen durchführen und euch über das Geld der Anleger freuen, dann jedoch auf den Rechten auch dieser Anleger herumtrampeln, nur weil eine mögliche Entscheidung des privatisierten Unternehmens nicht gefällt. Dafür ist die Lage der AUA viel zu prekär, wie interne Berechnungen der ÖIAG zeigen. Diese soll von einem Unternehmenswert der AUA von 600 Millionen Euro ausgehen. Blöd, dass beim Unternehmenswert Schulden eingerechnet werden und damit der echte Marktwert des Carriers sogar negativ ist.

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